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Kakao kann Gehstrecke bei älteren pAVK-Patienten verlängern

Dunkle Schokolade mit einem hohen Kakaoanteil ist reich an Polyphenolen, einschließlich Epicatechin. Welchen Einfluss ein Kakaogetränk mit einer definierten Tagesmenge Epicatechin auf die Gehleistung von Menschen mit peripherer arterieller Verschlusskrankheit haben kann, zeigte eine randomisierte und placebokontrollierte Doppelblindstudie.

Hintergrund

Patienten mit einer peripheren arteriellen Verschlusskrankheit (pAVK) weisen im Vergleich zu gefäßgesunden Personen eine kürzere 6-Minuten-Gehdistanz auf. Ohne therapeutische Maßnahmen geht diese Gehleistung im Normalfall weiter zurück.

Die in Kakao enthaltenen sekundären Pflanzenstoffe, sog. Polyphenole, und darunter insbesondere Epicatechin, besitzen Eigenschaften, mit denen sich diese Gehleistung bei pAVK verbessern lässt. Laut vorliegenden präklinischen Studien können Kakaoinhaltsstoffe bei gefäßgesunden Probanden offenbar die Durchblutung in den unteren Gliedmaßen, die Mitochondrienfunktion in der Skelettmuskulatur sowie die Muskelregeneration verbessern.

In einer früheren einfach verblindeten Crossover-Pilotstudie mit 20 pAVK-Patienten (2014) wurde mit 40 g dunkler Schokolade (entsprechend >85% Kakaoanteil) die maximale Gehdistanz auf dem Laufband um 11% verbessert und die Serumnitrit-/-nitratwerte zwei Stunden nach dem Verzehr der Schokolade erhöht. Dies war bei Milchschokolade nicht der Fall. Die Wirkungsmechanismen eines langfristigen Schokoladenverzehrs auf die Gehleistung bei pAVK sind allerdings nicht geklärt.

In der COCOA-PAD-Studie, einer randomisierten Doppelblind-Pilotstudie der Phase II, sollte die Hypothese überprüft werden, dass tägliche Kakaoaufnahme über 6 Monate die Abnahme der 6-Minuten-Gehstrecke im Vergleich zur Placebogruppe verhindern bzw. die Gehstrecke verlängern kann.

Ergebnisse

Die Wissenschaftler führten eine 6-monatige randomisierte Doppelblindstudie durch, in der die pAVK-Patienten entweder ein Kakaogetränk oder ein Placebogetränk erhielten. Das täglich aufgenommene Kakaogetränk enthielt 15 g Kakao und 75 mg Epicatechin. Die beiden primären Wirksamkeitskriterien waren die Änderung der 6-Minuten-Gehstrecke nach 6 Monaten. Sie wurden jeweils 2,5 Stunden und 24 Stunden nach dem entsprechenden Getränk gemessen. Ein einseitiger p-Wert von <0,10 wurde in dieser Studie als statistisch signifikant definiert.

Von den 44 Patienten, die randomisiert eines der beiden Getränke erhielten (Durchschnittsalter 72,3 (±7,1) Jahre, mittlerer Knöchel-Arm-Index 0,66 (±0,15)), schlossen 40 (91%) die Nachbeobachtungsphase von 6 Monaten ab. Nach Korrektur bezüglich Rauchverhalten, Rasse und Body-Mass-Index verbesserte sich gegenüber dem Placebogetränk die 6-Minuten-Gehstrecke 2,5 Stunden nach dem Kakaogetränk um 42,6 Meter (90%-Konfidenzintervall +22,2, p=0,005), 24 Stunden danach um 18,0 Meter (90%-KI -1,7, p=0,12).
In Biopsien aus der Wadenmuskulatur zeigte sich bei den Patienten, die das Kakaogetränk erhalten hatten, eine verbesserte Cytochrom-c-Oxidase-Aktivitäta in den Mitochondrien (p=0,013), eine größere Kapillardichte (p=0,014) sowie eine stärkere Durchblutung der Wadenmuskulatur (p=0,098).

Zusammenfassung

Die Ergebnisse dieser placebokontrollierten Pilotstudie weisen auf einen therapeutischen Effekt von Kakao im Hinblick auf die Gehleistung bei pAVK hin. In weiteren Studien sollte bestätigt werden, dass Kakao bzw. Epicatechin die Gehstrecke bei pAVK signifikant verlängern kann.

a. Komplex der mitochondrialen Atmungskette, welcher die Oxidation von Cytochrom c und die damit verbundene Elektronenübertragung und Reduktion von O2 zu H2O katalysiert.

Quelle

McDermott MM, Criqui MH, Domanchuk K, et al. Cocoa to improve walking performance in older people with peripheral artery disease: The Cocoa-PAD pilot randomized clinical trial. Circ Res 2020;126(5):589–99.

Bildquelle: © New Africa / stock.adobe.com

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