Dreck trainiert
das Immunsystem

Aktuellen Forschungsergebnissen zufolge schützt der Kontakt mit den darin reichlich vorhandenen Bakterien Kinder sogar lebenslang vor der Anfälligkeit für Asthma oder entzündliche Darmerkrankungen. Das haben amerikanische und deutsche Wissenschaftler durch Untersuchungen an Mäusen belegt. Die Nager sind zwar nicht in jeder Hinsicht mit Menschen vergleichbar – ihr Immunsystem funktioniert aber ähnlich.

Mäuse, die in einer keimfreien Umgebung aufwachsen, entwickeln mehr natürliche Killer-T-Zellen. Diese sollen Krankheitserreger erkennen und als Abwehrmaßnahme eine Entzündungsreaktion starten. Der Überschuss an Killerzellen ließ das Immunsystem dieser Mäuse empfindlicher reagieren, beispielsweise auf Chemikalien. So entwickelten die Mäuse aus keimfreier Umgebung öfter allergisches Asthma oder chronische Durchfälle. Normal aufgezogene Labormäuse hatten unter denselben Bedingungen keine Beschwerden.

Warum neugeborene Mäuse ohne Kontakt zu Bakterien übermäßig viele von diesen Zellen produzieren, wissen die Forscher noch nicht. Der Vorgang lässt sich jedoch nicht einfach umkehren: Brachte man keimfrei aufgewachsene Mäuse nach einigen Wochen in eine keimbelastete Umgebung, blieben sie anfällig für Allergien und Entzündungsreaktionen. Siedelte man jedoch ihre Mütter bereits vor der Geburt dorthin um, entwickelte sich das Immunsystem der Mäusekinder normal. Bis zu welchem Alter der entsprechende Vorgang bei Mäusen und Menschen abgeschlossen ist, werden wohl erst weitere Studien zeigen.