Keine Saure-Gurken-Zeit

Trotzdem hat die Behauptung einen wahren Kern. Es kommt durchaus vor, dass Schwangere plötzlich Heißhunger auf bestimmte Lebensmittel verspüren. Die Untersuchungsergebnisse darüber, ob die schwangeren Frauen dabei generell eher zu salzigen und herzhaften Speisen oder mehr zu Süßigkeiten neigen, fallen sehr unterschiedlich aus. Jedenfalls ist die Favoritenliste der Schwangerschaftsgelüste definitiv stark kulturell geprägt. Schwangere Frauen aus Tansania greifen in solchen Momenten statistisch gesehen gern zu Mangos, das käme einer schwangeren Amerikanerin eher nicht in den Sinn, denn sie bevorzugt Schokolade. Die plötzlichen Gelüste beschränken sich offensichtlich (und glücklicherweise) auf das übliche, vorhandene Angebot. 

Die Erklärungen für das Heißhungerphänomen reichen vom Einfluss der Hormone über einen veränderten Geschmacks- und Geruchssinn während der Schwangerschaft bis hin zu tatsächlich anderen Ernährungsbedürfnissen oder schlicht höherem Appetit. Eine etwas kompliziertere Erklärung lautet, dass die Gehirnregion, die mit dem Uterus in Verbindung steht und sich während der Schwangerschaft verändert, auch für die Geschmacksbeurteilung zuständig ist, welche sich dann gleichfalls verschiebt. So nimmt die Geschmacksempfindlichkeit für Salz bei vielen Schwangeren ab, die für Bitterstoffe jedoch zu. 

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