Der Mensch ist kein Kamel

Die deutsche Gesellschaft für Nephrologie (Nierenheilkunde) widerspricht dieser Meinung. Es reiche, nach Durstgefühl zu trinken. Nur ältere Menschen, bei denen das Durstgefühl nachlässt, müssten bewusst auf ausreichendes Trinken achten. Benötigt werden am Tag 1,5-2 Liter Flüssigkeit (30 ml Wasser pro kg Körpergewicht), an heißen Sommertagen, oder wenn man stark geschwitzt hat, etwa 3 Liter, so die Deutsche Gesellschaft für Ernährung. Das entspricht der Menge, welche der menschliche Körper über die Atmung, den Schweiß und den Urin ausscheidet. Grob überschlagen beziehen wir bereits ein Viertel unseres Flüssigkeitsbedarfs allein aus der Nahrung. Ist man wirklich „dehydriert“, so merkt man dies an Schwindel, Kopfschmerzen oder Schwäche, auch bilden sich gekniffene Hautfalten nicht sofort zurück. 

Doch nicht nur zu wenig, sondern auch ein Übermaß an Wasser kann sich negativ auswirken, denn der menschliche Körper kann am Tag nur eine bestimmte Menge an Flüssigkeit wieder ausscheiden. Besondere Vorsicht gilt bei Herz-, Nieren- und Leberpatienten, welche die Trinkmenge mit ihrem Arzt besprechen sollten. Aber auch ein gesunder Mensch sollte nicht deutlich mehr als den Tagesbedarf auf einen Schlag konsumieren, es droht sonst eine Wasservergiftung. Sie ist befürchtete Folge von Wassertrinkwettbewerben, tritt aber auch bei Sportlern auf, die einer Austrocknung vorbeugen wollen, oder bei Diättreibenden, die mit exzessivem Wasserkonsum ihr Hungergefühl unterdrücken möchten. Auf Vorrat trinken ergibt für den Menschen übrigens keinen Sinn. Anders als das Kamel, kann er Flüssigkeit nicht lange im Körper speichern.

Ein starkes Durstgefühl, welches unabhängig von Hitze oder Sport besteht, kann ein Zeichen für eine Erkrankung sein (z. B. Diabetes) und sollte mit dem Arzt abgeklärt werden.