Das personalisierte
schlechte Gewissen
der Fleischesser

Verursacht ist diese ablehnende Haltung, wie Wissenschaftler der Universität Pennsylvania herausfanden, dadurch, dass Fleischesser oft das Gefühl hätten, dass sie von Vegetariern moralisch verurteilt und zu schlechteren Menschen degradiert würden. Fühlt sich ein Mensch aber in seinem positiven Selbstbild angegriffen, so reagiert er darauf, indem er entsprechende Attacken mit Spott und Hohn abwehrt. Auf diese Weise braucht er sich dann nämlich nicht mehr mit den Argumenten der Gegenseite und mit sich selbst und seinem vielleicht fragwürdigem Verhalten auseinanderzusetzen.

Um diese abwehrende Reaktion von Fleischessern hervorzurufen, sei auch kein konkreter Angriff vonnöten. Als Vegetarier oder Veganer stehe man automatisch in der Situation, einer moralisch „überlegeneren“ Minderheit anzugehören. Als personifiziertes schlechtes Gewissen der Fleischesser würde auch ein Vegetarier oder Veganer, der mit den Gründen für seinen Fleischverzicht nicht hausieren gehe, einen implizierten moralischen Vorwurf darstellen, auf den hochsensibel reagiert würde. So schätzten gemäß der Studie knapp die Hälfte der Fleischesser Vegetarier negativ als „arrogant“, „nervig“ oder „selbstgerecht“ ein.

Die sachlichen Fakten für einen reduzierten Fleischkonsum liegen derweil auf der Hand und überzeugen immer mehr Mitmenschen. Vielleicht können sie Fleischesser aber einfach besser locken, wenn auf moralische Argumentation großzügig verzichtet wird und diese sich die großen Vorteile für die eigene Gesundheit selbst erschließen.