Wirklich alle krank?

Aus der Vegetarierstudie der Universität Jena aus dem Jahr 2007 ist bekannt, dass bestehende gesundheitliche Probleme zu den Top-Ten-Gründen für die Entscheidung, sich vegetarisch zu ernähren, zählen und für zwanzig Prozent der Befragten gesundheitliche Gründe sogar den Hauptgrund darstellen. Umgelegt auf die Studie der Universität Graz muss also davon ausgegangen werden, dass die höhere „Erkrankungsquote“ der Vegetarier nicht durch ihre Form der Ernährung ausgelöst wurde, sondern vielmehr, dass Personen, die – ggf. aufgrund von Erkrankungen oder Risikofaktoren - sensibel mit ihrer Gesundheit umgehen, sich eher für eine vegetarische Ernährung entscheiden. 

Aus der Studie der Universität Jena ging auch hervor, dass die ausschließlich vegetarischen Studienteilnehmer überdurchschnittlich gebildet waren. Daraus zu schließen, dass vegetarische Ernährung einfach schlau macht, wäre verfehlt. Aber gebildete Menschen neigen eher zu einer vegetarischen Ernährung – oder zumindest zu der Teilnahme an einer internetbasierten Umfrage.

Warum stürzten sich aber die Zeitungen auf die Scheinerkenntnis „Vegetarismus macht krank“? Der Mensch neigt dazu, das zu glauben, wovon er schon zuvor überzeugt war. Alles andere löst negative Gefühle aus, denn es stürzt ihn in ein inneres Dilemma, wissenschaftlich als kognitive Dissonanz bezeichnet. Nicht wenige reagieren auf Informationen, die ihren Überzeugungen zuwiderlaufen, sogar mit Verhärtung ihrer Position. „Backfire“ nennt sich das. Wie man gegen diese psychologischen Selbstschutzmechanismen ankommt, ist ebenfalls überliefert. Weniger mit Sachinformationen, als mit liebend-annehmendem Verständnis, gepaart mit der lebensbejahenden Ausstrahlung eines Gandhi. Auch der war übrigens Vegetarier.

Bild: © Tommaso Lizzul / fotolia.com