Das erste Leben
der Leberwurst

Entwicklungspsychologen raten, Kinder über die Herkunft tierischer Produkte aufzuklären – aber ohne Wertung! Einem Vierjährigen zu erklären: Das ist ein totes Tier, das finde ich eklig. Oder zu betonen, Nutztiere in der Landwirtschaft würden leiden und sterben ist keine gute Lösung. Kinder sind leicht zu beeinflussen – und zu schockieren. Wer vor den Kindern den Lebensstil ihrer Eltern oder Großeltern kritisiert, macht sich unbeliebt und belastet das Kind mit einem Loyalitätskonflikt.

Brot wird aus Korn gebacken und Apfelsaft wird aus Äpfeln gepresst. Dass die geliebten Pommes aus Kartoffeln geschnitten werden, erläutern Eltern ebenfalls frühzeitig – auch in der Hoffnung, die Attraktivität von gekochten Erdäpfeln durch die Verbindung mit „Fritten“ zu erhöhen. Wenn klar ist, dass Frischkäse aus der Milch von Kühen gemacht wird, liegt es nahe, nach der Herkunft der Leberwurst zu fragen. Für die Allerkleinsten reicht oft noch der Hinweis, dass die Wurst vom Schwein kommt, um die erste Neugierde zu befriedigen. Wenn die Fragen gezielter werden, sollte nicht verschwiegen werden, woraus Hähnchennuggets und Fischstäbchen gemacht werden. 

Dem Appell an das kindliche Mitleid sollte man jedoch widerstehen: Auch wenn man sich wünscht, das Paten- oder Nachbarskind würden die eigene Entscheidung für fleischlose Ernährung verstehen, sind Geschichten von mutterlos aufwachsenden Kälbchen oder um ihre Eier betrogenen Hennen manipulativ. Wer sich unsicher ist, kann Folgendes beachten:

  1. Sprechen Sie sich vorher mit den Eltern ab. Was weiß das Kind schon, was kann es verarbeiten?  Kinder sind unabhängig vom Alter sehr unterschiedlich in ihrer Wahrnehmung. Was dem einen nichts ausmacht, kann den anderen nachhaltig belasten.
  2. Wenn Sie auf Fragen antworten, sprechen Sie von sich persönlich: Ich mag kein Fleisch essen, weil ich nicht möchte, dass dafür ein Tier geschlachtet wird. Anstelle von Verallgemeinerungen wie: „Menschen sollten keine Tiere töten“. 
  3. Kleinkinder suchen auch auf „warum“-Fragen gar nicht immer eine kausalen Antwort. Sie dürfen auch Offensichtliches antworten: „Ich esse kein Fleisch, weil ich das nicht möchte.“ Oder „Ich möchte keinen Kuchen, weil ich keine Eier esse.“

Im Laufe der individuellen Entwicklung reift die Erkenntnis über die Herkunft von Leberwurst und Schnitzel von allein. Solange ein kleiner Mensch aufgrund von ethischen, ökologischen oder gesundheitlichen Überlegungen noch nicht entscheiden kann, ob er Fleisch essen möchte, sollte der Geschmack den Ausschlag geben dürfen. 

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