Trendgemüse aus
dem Meer: Algen

Als schwarze, papierdünne Hülle um Sushi-Röllchen und asiatische Reiscracker haben Algen die Supermarktregale längst erobert. Es gibt allerdings hunderttausende Algenarten, von denen in Europa nur eine Handvoll als Nahrungsmittel zugelassen ist. Essbare Algen stammen aus allen drei großen Gruppen: Rotalgen (wie die Nori, die um den Sushi-Reis gewickelt sind), Grünalgen (wie Wakame, welche in japanischen Restaurants gern als Salat in Sesamsoße gereicht werden) und Braunalgen (wie beispielsweise Kelp, ein schnellwachsender Seetang, der derzeit in den USA beliebt ist). 

Nachhaltig und gesund

Lebensmittelexperten wie die Münchner Trendforscherin Hanni Rützler sagen dem Meeresgemüse weltweit eine steile Karriere voraus. Zum einen sind sie reichlich vorhanden und außerdem gut zu züchten, zum anderen gelten sie als gesund: Neben pflanzlichem Eiweiß enthalten sie wertvolle Mikronährstoffe, dafür aber wenig Kalorien und kaum Fett. Ihr hoher Jodgehalt ist allerdings ein zweischneidiges Schwert: Europäer, die nicht an die hohe Jodzufuhr gewöhnt sind, müssen sich vorsichtig herantasten. Wer bereits Probleme mit der Schilddrüse hat, fragt besser vorher den Arzt. Bei verpackten Produkten sollte der Jodgehalt übrigens angegeben sein. Zusätzliche Punkte als besonders gesundes „Meeresgemüse“ sammeln Algen als pflanzliche Quelle essenzieller Omega-3-Fettsäuren wie beispielsweise Docosahexaensäure (DHA).

Von „Backstage“ zur Hauptrolle

Selbst wer kein Fan japanischer Küche ist, hat wahrscheinlich schon Algenprodukte verspeist: Viele Zusatzstoffe der Lebensmittelherstellung wie Agar-Agar, Carrageen oder Alginate werden aus Algen gewonnen. In der Gourmetküche darf das Meeresgemüse dagegen ganz prominent auf den Teller: da werden Dulse (Lappentang) oder Wakame  zum Fisch gereicht, Kombu bildet eine geschmackvolle Einlage in Suppen. Gute Fischgeschäfte besorgen das Meeresgemüse frisch, ansonsten bieten Asialäden und Reformhäuser getrocknete Varianten an.

Nicht alles, was am Strand wächst, ist übrigens eine Alge: Der Queller (auch Meeresspargel oder Friesenkraut genannt) erfreut sich mit seinem salzig-pfefferigen Geschmack zwar ebenfalls steigender Beliebtheit unter Feinschmeckern, ist aber botanisch betrachtet keine Alge – sondern ein Fuchsschwanzgewächs. Jenseits der botanischen Spitzfindigkeiten dürfen wir uns auf ein wachsendes Angebot vegetarischer Meeresfrüchte freuen.

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