Warum Kinder den Teller
nicht leer essen (sollten)

Erwachsene essen auf: 92 Prozent von allem, was wir uns selbst servieren, wird auch gegessen. Den Teller zu leeren gehört zum guten Ton und zeigt, dass man sein Essen wertschätzt. Kinder dagegen schaufeln sich in einem Moment eine große Portion auf das Essgeschirr und verkünden im nächsten Augenblick, sie seien jetzt satt. Das ist Eltern auswärts oft peinlich. Aber auch zuhause kann leicht Frust aufkommen, während üppige Reste vom Kinderteller in den Abfall gekratzt werden.

Brian Wansink von der Cornell Universität in New York möchte zur Entspannung am Esstisch beitragen und meint: Kinder, die nicht aufessen, sind weder verschwenderisch noch respektlos. Sie sind einfach normal. Seine Untersuchungen an Schulkindern zeigen, dass Grundschüler ohne Begleitung der Eltern nur etwa 60 Prozent von dem essen, was sie sich selbst auf den Teller legen. Seiner Ansicht nach liegen die Gründe dafür nicht in einem Machtkampf mit den Eltern, sondern dem Entwicklungsstand der Kinder: Erstes wüssten sie nicht immer genau, was ihnen schmeckt. Und zweitens könnten sie ihr Hungergefühl noch nicht so gut einschätzen. Keinesfalls sollten Kinder bei Tisch gezwungen werden, ihre Fehleinschätzungen aufzuessen, so der Experte.

Satt ist satt!

Studien haben gezeigt, dass kleine Kinder ein gutes Gefühl für Sättigung haben. So lassen Dreijährige von einer großen Portion mehr liegen als von einer kleinen. Schon Fünfjährige verzehren dagegen mehr, wenn man ihnen größere Mengen auf den Teller legt. Erwachsene versuchen den Teller zu leeren, selbst wenn das schwierig ist. So aßen Versuchspersonen, deren Teller von unten unbemerkt stetig mit Suppe befüllt wurden, 73 Prozent mehr als solche vor gewöhnlichen Tellerportionen.

Erzwungenes Aufessen ist also passé. Üben darf man dagegen, die erste Gier zu bezwingen und sich mit kleinen Portionen an die eigene Sättigung heranzutasten.

Bild: © julaszka / Fotolia.com