Wie der Knorpel altert

Wissenschaftler aus England haben im vergangenen Jahr die bisherigen Puzzleteile verschiedener Forschungsbereiche zusammengesetzt und dem Ganzen einen neuen Namen verpasst: Chondroseneszenz, zu deutsch: Knorpelalterung.

Die Forscher griffen dabei auf die Erkenntnis zurück, dass an der Alterung von Geweben Entzündungen beteiligt sind. Der natürliche Alterungsprozess scheint demnach von einer dauernden, leichten Entzündung begleitet zu werden. Diese Vorstellung vom „Entzündungsaltern“ (Inflammaging) lässt sich ihrer Meinung nach auch auf den Knorpelstoffwechsel beziehen. In ihrer Theorie wird die Funktionsfähigkeit zunächst einzelner Knorpelzellen mit steigendem Alter beeinträchtigt.  Was dann passiert, kann man sich als Domino-Effekt vorstellen: Die gealterten Knorpelzellen stecken innerhalb des entzündlich veränderten Mikromilieus des Gelenks ihre Kollegen mit dem veränderten Knorpelstoffwechsel an. Damit fällt der Startschuss für den Abbau des Gelenkknorpels, die spätere Veränderung der Gelenkinnenhaut und des unter dem Knorpel befindlichen Knochens. Gleichzeitig nimmt die Fähigkeit zur Eigenreparatur ab.

Auf den ersten Blick scheint diese neue Sichtweise auf Entstehung der Arthrose wenig Neuigkeiten zu bieten: Die Knorpelzellen „altern“ eben und funktionieren schlechter. Wer sich mit den Details beschäftigt, sieht jedoch, dass in dem neuen Modell der Arthrose sehr viel Wissen über das Krankheitsgeschehen eingebracht werden konnte. Es liefert Erklärungsansätze für den Einfluss bekannter Risikofaktoren auf die Arthrose-Entstehung und die beobachteten Veränderungen im Stoffwechsel der beteiligten Gewebe. Unter dem Stichwort Chondroseneszenz könnten in Zukunft Erkenntnisse verschiedener wissenschaftlicher Fachrichtungen wie der Molekulargenetik, der Immunologie, der Zytologie, der Orthopädie und der Ernährungsmedizin gemeinsam zum Verständnis des Gelenkverschleiß beitragen und damit hoffentlich zu neuen Behandlungsmöglichkeiten führen.

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