Vielleicht hast Du auch schon einmal gehört, dass verletzte oder geschädigte Nerven sich nicht regenerieren können. Das ist allerdings nur bedingt richtig. Während im Gehirn und Rückenmark die Nervenfasern nach einer Verletzung in der Regel nicht nachwachsen können, zeigen die Nervenzellen im peripheren Nervensystem bei einer Nervenschädigung erstaunliche Regenerationsfähigkeiten. Allerdings sind dafür Geduld und eine gute Versorgung der Nervenzelle mit den richtigen Nährstoffen gefragt. Wir erklären Dir, warum die Nervenregeneration so wichtig ist, wie Du sie effektiv unterstützen kannst und welche Mikronährstoffe bei diesem Thema von Bedeutung sind.
Was passiert bei einer Nervenschädigung?
Nervenschädigungen und damit einhergehende Nervenschmerzen sind keine Seltenheit, denn die Ursachen der sogenannten peripheren Neuropathie sind vielfältig. Schätzungen zufolge leiden zwischen 6,9 und 10 Prozent der Bevölkerung an sogenannten neuropathischen Schmerzen, die die Lebensqualität der Betroffenen stark beeinträchtigen können.
Neben Quetschungen des Nervs wie sie z. B. bei einem Karpaltunnelsyndrom vorkommen, sind es vor allem stoffwechsel- oder ernährungsbedingte Faktoren, die zu einer Schädigung der Nervenfaser führen, allen voran erhöhte Blutzuckerspiegel bei Diabetes Mellitus. Aber auch Giftstoffe (z. B. Alkohol) oder bestimmte Medikamente kommen als Ursache in Frage.
Die Nervenschädigung ist dabei nicht immer gleich, sondern kann verschiedene Teile der Nervenzelle betreffen: insbesondere den langen Zellfortsatz, der der Weiterleitung der elektrischen Signale in Richtung der nächsten Zelle dient (Axon) oder das ihn umgebende schützende Myelin, das unter anderem zur Beschleunigung der Reizweiterleitung dient.
Ein geschädigter Nerv kann dementsprechend ankommende elektrische Impulse nicht mehr richtig weiterleiten. Es kommt zum Schmerz oder zu Gefühlsstörungen wie Taubheit oder Kribbeln. Ein Medikament oder eine andere Therapie, die eine periphere Neuropathie vollständig heilen kann, gibt es bisher nicht.
Wissenschaftliche Erkenntnisse legen aber nahe, dass sich ein Nerv des peripheren Nervensystems unter bestimmten Voraussetzungen von selbst regenerieren kann. Dies hängt insbesondere von der Art der Schädigung und dem Überleben des Zellkörpers ab. So gibt es durchaus Möglichkeiten, die Schmerzen zu lindern und die Regeneration zu unterstützen.
Eine Nervenschädigung im zentralen Nervensystem ist für den Körper in der Regel permanent. Hier können Nervenzellen nicht ohne weiteres regenerieren. Im Gegensatz dazu, ist bei Nerven des peripheren Nervensystems unter den richtigen Voraussetzungen eine vollständige Regeneration möglich.
Was bedeutet Nervenregeneration?
Die Nervenregeneration ist ein wichtiger Reparaturprozess des peripheren Nervensystems, der zur Wiederherstellung der Struktur und Funktion der Nervenzelle führt. Dabei durchlaufen geschädigte Nerven zunächst eine Reihe degenerativer Veränderungen, bevor schließlich der Neuaufbau beginnt.
Degenerationsprozesse nach einer Nervenschädigung
Wird ein peripherer Nerv verletzt, vergrößert sich der Zellkern der Nervenzelle, um sich für die Herstellung von Proteinen für den Neuaufbau vorzubereiten. Gleichzeitig leiten die umliegenden Zellen des Axons die sogenannte Waller-Degeneration ein, die zum Abbau des abgeschnittenen Axonssegements und des umgebenden Myelins führt.
In einem nächsten Schritt werden Fresszellen des Immunsystems, sogenannte Makrophagen, angelockt, um die abgebauten Zellbestandteile zu entsorgen. Die Nervenzelle ist nun bereit für den Wiederaufbau. Ist der Nerv allerdings zu stark geschädigt und eine Regeneration nicht möglich, wird er vollständig abgebaut.
So funktionieren die Regenerationsprozesse geschädigter Nerven
Ziel der Regeneration ist es, die abgebauten Teile der Axone wiederherzustellen, um so wieder eine kontinuierliche Reizweiterleitung und Versorgung der innervierten Organe zu ermöglichen. Etwa ein bis zwei Tage nach der Verletzung bildet sich am Nervenstumpf, der an die geschädigte Stelle angrenzt, ein Wachstumskegel, aus dem bis zu 50 Zellfortsätze (Neuriten) hervorgehen.
Mit der Zeit werden diese sogenannten Axon-Sprossen länger und wachsen in Richtung des Zielgewebes. Damit die Axone dabei nicht vom Weg abkommen, konstruieren neu gebildete Schwann-Zellen in dem leeren Raum, in dem sich die verletzten Axone befunden haben, eine Leitbahn. So ist die Richtung klar vorgegeben und die „Leitung“, welche die Nervensignale zur nächsten Zelle überträgt, steht schließlich wieder.
Schwann-Zellen übernehmen aber noch weitere wichtige Aufgaben im Rahmen der axonalen Regeneration. Sie fördern beispielsweise die Bereitstellung von Wachstumsfaktoren und können helfen, Entzündungen zu lindern. Manche Experten vermuten, dass das Fehlen der Schwann-Zellen im Zentralnervensystem ein Grund dafür ist, dass sich ein Nerv dort in der Regel nicht vollständig regenerieren kann.
Damit die Regeneration einer Nervenzelle im peripheren Nervensystem gelingen kann, müssen allerdings zunächst die Ursachen der Nervenschäden beseitigt werden und im Körper alle für den Wiederaufbau benötigten Baumaterialen zur Verfügung stehen. Denn ein Mangel kann den Prozess der Regeneration beeinträchtigen.
Uridinmonophosphat (UMP) und Cytidinmonophosphat (CMP) – Nukleotide zur Unterstützung der Nervenregeneration
Uridinmonophosphat (UMP) und Cytidinmonophosphat (CMP) gehören zu den sogenannten Nukleotiden, den Grundbausteinen unserer Erbsubstanz. Entsprechend sind sie an der Herstellung von Nervenzellproteinen und Membranlipiden, die für die Nervenregeneration unverzichtbar sind, in entscheidendem Maße beteiligt. Besonders wichtig sind Uridin und Cytidin für die Produktion der Phospholipide, die beim Menschen zu den wichtigsten Bestandteilen der Zellwände gehören.
Gleichzeitig übernehmen die Nukleotide in unserem Körper aber auch wichtige Rollen als Botenstoffe. Uridin-Nukleotide sorgen u. a. für die Differenzierung der Schwann-Zellen und leiten das Wachstum von Neuriten aus dem Wachstumskegel ein. Darüber hinaus scheinen Nukleotide die Rekrutierung der Fresszellen im Rahmen der Waller-Degeneration anzuregen.
Insbesondere in Kombination mit anderen wichtigen neurotropen Nährstoffen wie B-Vitaminen scheinen Nukleotide daher einen Beitrag zum Erhalt der Nervenfunktion zu leisten und die körpereigene Regeneration der Nervenfaser zu unterstützen.
B-Vitamine zur Unterstützung der Nervenregeneration
Verschiedene Vitamine des B-Komplexes spielen für unsere Nerven eine entscheidende Rolle, da sie zur normalen Funktion des Nervensystems beitragen. Dies ist auch daran zu erkennen, dass eine mangelnde Versorgung mit B-Vitaminen, insbesondere ein Vitamin-B-12-Mangel, zu einer Nervenschädigung (z. B. der peripheren Neuropathie) beitragen kann. Schauen wir uns die Funktionen der wichtigsten B-Vitamine einmal genauer an:
Vitamin B12 (Cobalamin)
Als Coenzym übernimmt Vitamin B12 wichtige Funktionen im Energiestoffwechsel, der Zellteilung sowie der Übertragung von Methylgruppen. Damit spielt das Vitamin eine besondere Rolle bei der Herstellung wichtiger Nervenzellproteine und dem schützenden Myelin. Vitamin B12 ist ausschließlich in tierischen Lebensmitteln wie Fleisch, Fisch, Milchprodukten und Eiern enthalten. Daher sind Vegetarier:innen häufig nicht optimal mit B12 versorgt. Veganer:innen wird daher empfohlen, Vitamin B12 über Nahrungsergänzungsmittel zuzuführen, um einen Vitamin-B12-Mangel zu vermeiden.
Vitamin B6 (Pyridoxin)
Vitamin B6 übernimmt eine zentrale Rolle bei der Herstellung von Nervenbotenstoffen, die für die Signalübertragung zwischen den Nervenzellen wichtig sind. Zudem wird es als Cofaktor für die Herstellung von Myelin benötigt. Vitamin B6 ist u. a. in Vollkorngetreide, Hülsenfrüchten, Fleisch und Nüssen enthalten.
Vitamin B1 (Thiamin)
Vitamin B1 wird häufig auch als „Nervenvitamin“ bezeichnet, denn es übernimmt gleich mehrere Aufgaben zum Erhalt der Nervenfunktion. Als Cofaktor beim Abbau von Glukose ist es zum einen dafür mitverantwortlich, dass der Nervenzelle ausreichend Energie zur Verfügung steht. Zum anderen unterstützt es die Bereitstellung von Nervenbotenstoffen und Myelin und trägt zum Erhalt der Struktur der Zellmembranen bei. Lebensmittel, die sich als Vitamin-B1-Quellen eignen, sind vor allem Hülsenfrüchte, Vollkorngetreide, Fleisch, Fisch und Nüsse.
Folsäure (Vitamin B9)
Folsäure ist für das Wachstum und die Teilung der Nervenzelle von Bedeutung. Gemeinsam mit Vitamin B12 übernimmt es zudem eine wichtige Rolle als sog. Methylgruppenüberträger und ist somit an der Herstellung von DNA-Bausteinen beteiligt. Darüber hinaus trägt das Vitamin Folsäure dazu bei, das Stoffwechselprodukt Homocystein „abzubauen“, welches in großen Mengen nervenschädigend sein kann. Dabei arbeitet es eng mit Vitamin B6 und Vitamin B12 zusammen. Als Folat ist es insbesondere in grünem Blattgemüse zu finden. Weitere Quellen findest Du hier: Folsäure Lebensmittel.
Die Nervenregeneration kann durch verschiedene Faktoren beeinflusst werden. Dabei spielen auch B-Vitamine und Uridin- und Cytidinmonophosphat eine Rolle. Diese Mikronährstoffe und Nukleotide ergänzen sich in ihrer Funktion und können die Nervenregeneration unterstützen.