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Cholin und Silymarin: Natürliche Hilfestellung bei Fettleber

Rund ein Viertel aller Erwachsenen hierzulande ist von einer nicht-alkoholischen Fettleber-Erkrankung (NAFLD) betroffen – mit steigender Tendenz.1 Die NAFLD ist ein Spektrum von Lebererkrankungen, welches von der einfachen Fettleber (Steatose, NAFL) bis zur nicht-alkoholischen Steatohepatitis (NASH) reicht, wobei eine zunehmende Fibrose zur Leberzirrhose führen kann. Adipositas, Typ-2-Diabetes und das metabolische Syndrom gelten als die wichtigsten Risikofaktoren für eine NAFLD.1 Ursächlich für die Fettleber ist eine den täglichen Energiebedarf übersteigende Menge an aufgenommenen Fetten und Kohlenhydraten.

Häufiges Naschen trägt zur Fettleber bei

Allerdings ist weniger die Kalorienaufnahme der drei großen Mahlzeiten des Tages für die vermehrte Fetteinlagerung in die Leberzellen verantwortlich, als die Aufnahme fettreicher und süßer Snacks sowie Softdrinks zwischen den Hauptmahlzeiten bei gleicher Gesamtkalorienzahl.2 Dies hat eine randomisierte, kontrollierte Studie mit gesunden Studienteilnehmern gezeigt.2 Die Forscher schlussfolgern, dass allein eine hohe Mahlzeitenfrequenz, insbesondere häufiges Essen zwischendurch, ein unabhängiger Risikofaktor für eine Fettleber darstellt.2 Ernährungsumstellung, Gewichtsreduktion und körperliche Aktivität können einer NAFLD entgegenwirken.3 Auch Intervallfasten oder Nahrungskarenz können zur Behandlung einer Fettleber sinnvoll sein.4,5

Höhere Cholinzufuhr – geringeres Fettleber-Risiko

Eine wichtige Funktion im Leber- und Fettstoffwechsel hat der Mikronährstoff Cholin. Da die körpereigene Synthese zur vollständigen Deckung des Bedarfs nicht ausreicht, muss Cholin über die Nahrung zugeführt werden.6 Ein Cholin-Mangel kann zur Leberverfettung sowie beitragen.7,8 Welche Bedeutung der Cholinzufuhr bei NAFLD zukommt, hat eine internationale Forschergruppe anhand der Daten von über 20.000 Teilnehmern an der National Health and Nutrition Examination Survey (NHANES) untersucht.9 Nach Adjustierung demographischer, diätetischer und klinischer Faktoren fanden die Forscher einen umgekehrten signifikanten Zusammenhang zwischen der Aufnahme von Cholin und dem Risiko einer NAFLD (p < 0,001).9 Teilnehmer im höchsten Quartil der Cholinzufuhr (364 mg Cholin/Tag) wiesen ein um 14 % geringeres Fettleber-Risiko auf als die denjenigen im niedrigsten Quartil (206 mg Cholin/Tag). Bei postmenopausalen Frauen war dieser Zusammenhang sogar noch stärker: Diejenigen mit der höchsten Cholinaufnahme hatten ein um 26 % geringeres Risiko für eine NAFLD im Vergleich zu denen mit der geringsten Aufnahme. Bei Teilnehmern mit einem höheren Body-Mass-Index (BMI) war der Zusammenhang ebenfalls ausgeprägter. Insgesamt deuten die Ergebnisse daraufhin, dass eine höhere Cholinzufuhr die Wahrscheinlichkeit einer NAFLD verringern kann.9 

Die Europäische Behörde für Lebensmittelsicherheit EFSA empfiehlt für Erwachsene eine Aufnahme von 400 mg Cholin pro Tag,7 die jedoch von ca. 90 % der Bevölkerung nicht erreicht werden.6,10 Tierische Lebensmittel enthalten typischerweise höhere Mengen an Cholin als pflanzliche, allen voran Eigelb und Leber sowie Fleisch und Fisch.6,7,10 Zu den pflanzlichen Cholinquellen zählen Vollkorngetreide, Gemüse, Obst und Öle.7 Silymarin kann die Leberfunktion verbessern In Ergänzung zu Cholin kann auch Silymarin, ein Extrakt aus der Mariendistel (Silybum marianum), eine Option gegen die Leberverfettung bieten. In zahlreichen Studien wurde nachgewiesen, dass Silymarin antioxidative, antientzündliche und antifibrotische Eigenschaften hat und die Regeneration von Leberzellen unterstützen kann.11 In einer Metaanalyse, die acht randomisierte, klinische Studien mit 587 Patienten einschloss, wurde die therapeutische Wirksamkeit von Silymarin bei der NAFDL untersucht.12 Die Ergebnisse zeigten, dass Silymarin die Transaminasen Aspartat-Aminotransferase (AST) und Alanin-Aminotransferase (ALT) signifikant reduzieren konnte. Erhöhte Spiegel der Transaminasen können auf eine Fettleberentzündung (Steatosis hepatis) hinweisen, zu der vor allem oxidativer Stress beiträgt.3 Die Senkung hingegen deutet darauf hin, dass Silymarin den oxidativen Stress und die daraus resultierende Zytotoxizität reduzieren kann und dadurch intakte oder noch nicht irreversibel geschädigte Leberzellen schützt.13 Auf diese Weise trägt Silymarin zur Regeneration der Leber und zur Verbesserung der Leberfunktion bei.12 Um einen maximalen Nutzen zu erzielen, sollte die Behandlung mit Silymarin so früh wie möglich eingeleitet werden. Wenn das regenerative Potenzial der Leber noch hoch ist, können die besten Ergebnisse erzielt werden.13

 

Quellen

1. Estes C, Anstee QM, Arias-Loste MT, et al. Modeling NAFLD disease burden in China, France, Germany, Italy, Japan, Spain, United Kingdom, and United States for the period 2016-2030. J Hepatol 2018;69(4):896–904.
2. Koopman KE, Caan MWA, Nederveen AJ, et al. Hypercaloric diets with increased meal frequency, but not meal size, increase intrahepatic triglycerides: a randomized controlled trial. Hepatology 2014;60(2):545–53.
3. Roeb E, Steffen HM, Bantel H, et al. S2k-Leitlinie nicht alkoholische Fettlebererkrankungen. Z Gastroenterol 2015;53(7):668–723.
4. Marinho TdS, Ornellas F, Barbosa-da-Silva S, et al. Beneficial effects of intermittent fasting on steatosis and inflammation of the liver in mice fed a high-fat or a high-fructose diet. Nutrition 2019;65:103–12.
5. Saeed N, Nadeau B, Shannon C, et al. Evaluation of dietary approaches for the treatment of non-alcoholic fatty liver disease: A Systematic Review. Nutrients 2019;11(12).
6. Ströhle A, Hahn A. Cholin - Ein Nährstoff mit Vitamincharakter. Ernährung im Fokus 2019;2:132–7.
7. EFSA NDA Panel. Scientific opinion on dietary reference values for choline. EFSA Journal 2016;14(8):4484.
8. Wiedeman AM, Barr SI, Green TJ, et al. Dietary choline intake: current state of knowledge across the life cycle. Nutrients 2018;10(10).
9. Mazidi M, Katsiki N, Mikhailidis DP, et al. Adiposity may moderate the link between choline intake and non-alcoholic fatty liver disease. J Am Coll Nutr 2019;38(7):633–9.
10. Wallace TC, Blusztajn JK, Caudill MA, et al. Choline: the underconsumed and underappreciated essential nutrient. Nutrition today 2018;53(6):240–53.
11. Abenavoli L, Izzo AA, Milić N, et al. Milk thistle (Silybum marianum): A concise overview on its chemistry, pharmacological, and nutraceutical uses in liver diseases. Phytother Res 2018;32(11):2202–13.
12. Zhong S, Fan Y, Yan Q, et al. The therapeutic effect of silymarin in the treatment of nonalcoholic fatty disease: A meta-analysis (PRISMA) of randomized control trials. Medicine (Baltimore) 2017;96(49):e9061.
13. Gillessen A, Schmidt HH-J. Silymarin as supportive treatment in liver diseases: a narrative review. Adv Ther 2020;37(4):1279–301.

 

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