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Reduziertes Diabetesrisiko bei Glucosaminanwender

Bei Arthrose und Gelenkschmerzen wird häufig Glucosamin als Supplement oder Arzneimittel verwendet. Der Zusammenhang zwischen regelmäßiger Glucosaminaufnahme und dem Risiko, Typ-2-Diabetes zu entwickeln, wurde erstmals in einer großen, bevölkerungsbasierten prospektiven Studie untersucht – mit einem interessanten Ergebnis.

Hintergrund

Glucosamin, in der Verbindung Glucosaminsulfat oder Glucosaminhydrochlorid, wird bereits seit vielen Jahren von Patienten mit Arthrose oder Gelenkschmerzen eingesetzt. Gleichzeitig liegen seit Jahren Belege für eine Verbindung zwischen Glucosamin und Glucosestoffwechsel, Entzündung und kardiometabolischem Risiko vor. Frühere In-vitro-Hinweise auf eine Veränderung des Glucosestoffwechsels und eine höhere Insulinresistenz konnten in Humanstudien nicht bestätigt werden, im Gegenteil ergab sich in einer placebokontrollierten klinischen Studie mit Glucosamin bei Arthrosepatienten ein geringgradig glucosesenkender Effekt bei den Teilnehmern in der Glucosamingruppe.

Man geht davon aus, dass derzeit rund 20% der Erwachsenen mittleren Alters in den USA, Großbritannien und Australien diese Supplemente einnehmen. Die Autoren der vorliegenden Studie, die an US-amerikanischen und chinesischen Universitäten durchgeführt wurde, analysierten prospektiv den Zusammenhang zwischen regelmäßiger Glucosaminaufnahme und dem Risiko eines Typ-2-Diabetes. Sie untersuchten außerdem, ob die genetisch bedingte Anfälligkeit und der Entzündungsstatus diesen Zusammenhang modifizieren könnten.

 

 

Methoden und Ergebnisse

Die Studie umfasste die Daten von 404.508 Teilnehmern in der UK Biobanka, bei denen kein/e Diabetes, Krebs oder Herz-Kreislauf-Erkrankungen vorlagen und die Fragebogen zur Supplementierung ausgefüllt hatten.

Zu Beginn der Studie gaben 19,4% der Teilnehmer an, Glucosamin einzunehmen. Die Glucosaminanwender waren im Vergleich zu den Nichtanwendern älter, weiblichen Geschlechts und mit geringerer Wahrscheinlichkeit Raucher. Anhand von Cox-Risikomodellen wurde der Zusammenhang zwischen der regelmäßigen Einnahme von Glucosamin und dem Risiko eines Typ-2-Diabetes ausgewertet.

Während einer 8,1 Jahre (Median) dauernden Nachbeobachtung wurden 7.228 Fälle von Typ-2-Diabetes dokumentiert. Dabei ging die Anwendung von Glucosamin mit einem signifikant niedrigeren Risiko eines Typ-2-Diabetes (-17%; HR 0,83, 95%-KI 0,78–0,89) einher. Dieser Wert wurde nach Korrektur hinsichtlich Alter, Geschlecht, BMI, Rasse, Studienzentrum, Lebensstilfaktoren oder Anwendung weiterer Supplemente (mit oder ohne Vitamine) ermittelt.

Diese inverse Beziehung war ausgeprägter bei den Studienteilnehmern, die höhere Spiegel an C-reaktivem Protein aufwiesen im Vergleich zu denjenigen mit niedrigen CRP-Werten (Interaktion p=0,02). Der Risikowert bezüglich des genetischen Risikos für Typ-2-Diabetes (auf Basis von 360.550 Teilnehmern, Interaktion p=0,99) veränderte diesen Zusammenhang nicht signifikant.

Zusammenfassung

Die Ergebnisse der Studie weisen darauf hin, dass die Anwendung von Glucosamin mit einer geringeren Inzidenzrate von Typ-2-Diabetes einhergeht. Damit ergibt sich laut Autoren eine mögliche Rolle dieser Substanz in der Diabetesprävention.

 

a. Die UK Biobank ist eine große Kohortenstudie in der Allgemeinbevölkerung, in der rund 500.000 Einwohner von Großbritannien erfasst sind.

 

Quelle:
Ma H, Li X, Zhou T, et al. Glucosamine use, inflammation, and genetic susceptibility, and incidence of type 2 diabetes: a prospective study in UK Biobank. Diabetes Care 2020;43(4):719–25.

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