Apotipp

Mitarbeiterführung im Tangoschritt

Im Gegensatz zu den festgelegten Figuren vieler Standardtänze folgt der Tango Argentino keiner starren Choreografie. Der Paartanz verzichtet auf Struktur und setzt – wie zunehmend auch moderne Führung im Apothekenalltag – vollständig auf Interaktion und Kooperation.

Der Tango steht nicht nur für Leidenschaft, Sehnsucht und Sinnlichkeit. Er dient als Leitbild für non-verbale Kommunikation und wird im Personalmanagement gern als Metapher für eine vorbildliche Führung verwendet. Denn wie beim Tango Argentino geht es auch in der Mitarbeiterführung um Achtsamkeit, Einfühlungsvermögen, wechselseitige Verantwortung und Kooperation. Dazu muss man verstehen, was den Tango Argentino, der seit 2009 zum Weltkulturerbe zählt, so besonders macht:

Der argentinische Tango kennt nur wenige Regeln und lässt viel Raum für Spontaneität. Die Tanzpartner schöpfen aus einem vergleichsweise kleinen Repertoire an Schrittelementen und Positionen, die sie in unendlichen Kombinationen neu zusammenfügen. Und obwohl das Erlernen der technischen Schritte eine wichtige Grundlage des Tanzes darstellt, ist die wahre Herausforderung psychologischer Natur. Sie liegt im komplexen Zusammenspiel von Leader und Follower, Führenden und Folgenden.

„It takes two to tango“

Diese Redewendung, die ursprünglich aus einem Lied aus den 50er Jahren stammt, bringt unmissverständlich zum Ausdruck, dass manche Dinge die Zusammenarbeit beider Beteiligten benötigen. Wie Tango ist auch Mitarbeiterführung keine One-Man-Show. Beide Partner begegnen sich auf Augenhöhe, gestalten ihre Beziehung, interagieren und kooperieren. Beim Tango Argentino entscheiden die Tanzpartner, wer welche Rolle übernimmt. Der Führende – egal, ob Mann oder Frau – gibt die Richtung und das Tempo vor. Er agiert vorausschauend, indem er Kollisionen vermeidet. Er nutzt den ihm zur Verfügung stehenden Raum aus und leitet den Geführten sicher übers Parkett. Dabei begreift der Führende den Geführten nicht als Untergebenen, sondern als aktiven Partner. Der Geführte hingegen akzeptiert die Führung, nimmt die Impulse des Partners an und setzt diese kreativ in fließende Bewegungen um. Der Führende erkennt und respektiert die einzigartigen Fähigkeiten und den Stil des Folgenden, hebt diese hervor und gibt seinem Tanzpartner Raum zur Entfaltung.

Beim Tango geht es nicht um Perfektion

Es geht um das Einfühlen in das Gegenüber, um gemeinsame Erfahrungen und eine unterstützende Umgebung, in der 'Fehler' als natürliche Konsequenz der Erkundung akzeptiert werden.1 Mangelt es an Einfühlungsvermögen und klaren Botschaften oder gibt man als Führender ein falsches Signal, gerät der Tanz aus dem Takt und der Partner ins Stolpern.

Die Führung von Angestellten in einer Apotheke folgt einer ähnlichen Dynamik. Es gibt keine zuvor festgelegte und für jede Führungssituation optimale Vorgehensweise.2 Als Führungskraft verfügt der/die Apothekeninhaber:innen aber über ein Repertoire an Handlungsoptionen, um flexibel auf neue Situationen oder Rahmenbedingungen reagieren zu können. Seinen Beschäftigten gegenüber ist er aufmerksam, immer im Dialog und offen für deren Anregungen. Wie ein guter Tangotänzer gibt der/die Apothekenchef:in die Richtung vor und achtet darauf, dass seine Mitarbeitenden mit ihm Schritt halten können.2 Er vertraut seinen Teammitgliedern und schafft die Grundlagen, damit Intuition und Innovation gedeihen können.

Weitere wichtige Lektionen, die Führungskräfte von der Tanzfläche in die Apotheke mitnehmen können, finden Sie in unserer Checkliste zum Download.

 

Quellen:

[1] www.ideasforleaders.com/ideas/smart-moves-–-the-tango-and-modern-leadership. Letzter Zugriff 12.03.21
[2] Dierolf K. Führen im Tangoschritt. Zeitschrift für systemische Beratung und Therapie. 2014;32(1), 3–12.

 

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