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Jung, sportlich aktiv und dennoch hypertoniegefährdet?

Ein erhöhter Blutdruck ist Risikofaktor Nummer eins für Herz-Kreislauf-Krankheiten. Jeder dritte Erwachsene hat hierzulande Bluthochdruck (≥ 140/≥ 90 mmHg).1 Im Alter steigt das Hypertonierisiko, doch auch junge Menschen sind zunehmend davon betroffen,2 die meisten wissen es nur nicht.1 Mit gesunder Ernährung und Sport lässt sich das Risiko senken. Doch gilt das auch für intensive Au sdauerbelastung? Dieser Frage sind kürzlich chinesische Forscher nachgegangen. Sie haben bei 8.206 Probanden im Alter von 15 bis 45 Jahren untersucht, welche Beziehung zwischen intensiver körperlicher Betätigung und Hypertonie besteht.3

Die Forscher fanden bei 45,7% der Teilnehmer eine Prähypertonie, d.h. der Blutdruck betrug systolisch 120–139 mmHg und diastolisch 80–89 mmHg. Bei 5% der Probanden lag eine Hypertonie vor, was definitionsgemäß bei Blutdruckwerten von ≥ 140/≥ 90 mmHg der Fall war oder unabhängig vom Blutdruck, wenn die Probanden angaben, in den letzten 2 Wochen Blutdrucksenker eingenommen zu haben.3 Probanden, die für 420–700 Minuten pro Woche moderat aktiv waren (Golfen, Radfahren, Wandern etc.), hatten seltener eine Hypertonie als diejenigen, die mehr bzw. weniger Sport trieben.3 Bei denen mit intensiven sportlichen Aktivitäten (Joggen, Skifahren, Fußball etc.) war die Hypertonieprävalenz bei bis zu 180 Minuten Sport pro Woche am niedrigsten und stieg mit zunehmender Dauer an. Die Studienergebnisse lassen den Schluss zu, dass sowohl ein Übermaß als auch ein Mangel an körperlicher Aktivität bei Jüngeren und Personen mittleren Alters mit Hypertonie und Prähypertonie verbunden sind.3

Blutdruckspitzen bei Belastung beachten

Es ist bekannt, dass moderates körperliches Training die vaskuläre Endothelfunktion verbessert und den Blutdruck positiv beeinflusst, während exzessiver Sport das kardiovaskuläre Risiko erhöhen kann.4 So zeigten beispielsweise Marathonläufer eine höhere arterielle Steifigkeit, die zu Atherosklerose fortschreiten kann, als sportlich weniger Aktive.5 Außerdem wurde bei Marathonläufern häufiger eine belastungsinduzierte Hypertonie (EIH; excercise induced hypertension oder HRE; hypertensive response to exercise) beobachtet als bei Nichtsportlern.4 Bei einer EIH ist der Blutdruck in Ruhe normal und weist bei maximaler Belastung Spitzenwerte von ≥ 210 mmHg bei Männern und ≥ 190 mmHg bei Frauen auf.6 Eine EIH wird relativ häufig im Rahmen von Routine-Belastungstests festgestellt, ohne dem Befund große Beachtung zu schenken.6 Dabei erhöht eine EIH das Risiko für eine zukünftige Ruhehypertonie7 und stellt einen unabhängigen Risikofaktor für zerebrokardiovaskuläre Erkrankungen dar.8,9

Einfluss gesunder Ernährung auf das Hypertonie-Risiko

Generell lässt sich das Hypertonie-Risiko durch eine Anpassung des Lebensstils reduzieren. Auch ein bereits erhöhter Blutdruck kann durch Lebensstilveränderungen gesenkt werden. Dazu zählen neben angemessener körperliche Aktivität, Vermeidung von Übergewicht und Stress auch eine gesunde Ernährung, die Gemüse, Hülsenfrüchte, frisches Obst, fettarme Milchprodukte, Vollkorngetreide, Fisch und ungesättigte Fettsäuren (insbesondere Olivenöl) enthält und einen geringen Verzehr von rotem Fleisch und gesättigten Fettsäuren vorsieht.10 In einer Studie mit Hochrisiko-Patienten, von denen die meisten an behandeltem Bluthochdruck litten, konnte gezeigt werden, dass eine mit nativem Olivenöl oder Nüssen supplementierte mediterrane Diät den Blutdruck, das Gesamtcholesterin und die Nüchternglukose im Vergleich zu einer fettarmen Kontrolldiät stärker senkten.11 Die Teilnehmer, die der mediterranen Diät mit nativem Olivenöl zugeteilt waren, wurden angehalten, mindestens 4 Esslöffel des zur Verfügung gestellten polyphenolreichen Olivenöls pro Tag zu konsumieren, anstelle der gewöhnlichen raffinierten Sorte, die polyphenolarm ist. Für Teilnehmer, die der mediterranen Diät mit Nüssen zugeteilt waren, wurde der Verzehr von 30 g Nüssen pro Tag empfohlen, bestehend aus 15 g Walnüssen, 7,5 g Mandeln und 7,5 g Haselnüssen.11

Mikronährstoffe, die zur Blutdrucksenkung beitragen können

Eine Metaanalyse von 17 Studien mit insgesamt 1.524 Teilnehmern untersuchte den Einfluss mehrfach ungesättigter Omega-3-Fettsäuren aus Fischölkapseln auf den Blutdruck. Die Autoren fanden eine statistisch signifikante Senkung des systolischen und diastolischen Blutdrucks
(-2,56 mmHg bzw. -1,47 mmHg) unter den acht Studien mit Hypertonikern und eine nicht signifikante Senkung des Blutdrucks unter den neun Studien mit normotensiven Teilnehmern.12

In einer Querschnittstudie mit 2.241 Teilnehmern (18–80 Jahre) war eine höhere Zufuhr von Vitamin B6 mit einem geringeren Risiko für Bluthochdruck assoziiert.13 Bei Frauen mit hoher Folataufnahme war die Assoziation zwischen B6 und Bluthochdruck am stärksten.13 Auch eine im Mittel 8-wöchige Vitamin-C-Zufuhr (Ø 500 mg/Tag) ging bei hypertensiven Patienten mit einer Senkung des systolischen Blutdrucks um 4,85 mmHg (p = 0,01) und des diastolischen Blutdrucks um -1,67 mmHg (p = 0,17) einher.14

Die Ergebnisse einer Metaanalyse, der 22 Studien zugrunde lagen, untersuchte den Einfluss von Magnesium-Supplementen auf den Blutdruck.15 Obwohl nicht alle Einzelstudien eine Signifikanz der Blutdruck-Reduktion zeigten, ergab die Kombination aller Studien eine Abnahme des systolischen Blutdrucks um
3–4 mmHg und des diastolischen Blutdrucks um 2–3 mmHg.15

Quellen

1. Neuhauser H, Thamm M, Ellert U. Blutdruck in Deutschland 2008-2011 Ergebnisse der Studie zur Gesundheit Erwachsener in Deutschland (DEGS1). Bundesgesundheitsblatt Gesundheitsforschung Gesundheitsschutz 2013;56(5-6):795–801.
2. Yano Y, Reis JP, Colangelo LA, et al. Association of blood pressure classification in young adults using the 2017 American College of Cardiology/American Heart Association blood pressure guideline with cardiovascular events later in life. JAMA 2018;320(17):1774–82.
3. Zhu Z, Feng T, Huang Y, et al. Excessive physical activity duration may be a risk factor for hypertension in young and middle-aged populations. Medicine (Baltimore) 2019;98(18):e15378.
4. Kim Y-J, Park Y, Kang D-H, et al. Excessive exercise habits in marathoners as novel indicators of masked hypertension. Biomed Res Int 2017;2017:1342842.
5. Vlachopoulos C, Kardara D, Anastasakis A, et al. Arterial stiffness and wave reflections in marathon runners. Am J Hypertens 2010;23(9):974–9.
6. Schultz MG, Sharman JE. Exercise Hypertension. Pulse (Basel) 2014;1(3-4):161–76.
7. Caselli S, Serdoz A, Mango F, et al. High blood pressure response to exercise predicts future development of hypertension in young athletes. Eur Heart J 2019;40(1):62–8.
8. Kim C-H, Park Y, Chun MY, et al. Exercise-induced hypertension is associated with angiotensin II activity and total nitric oxide. Medicine (Baltimore) 2020;99(27):e20943.
9. Schultz MG, Otahal P, Cleland VJ, et al. Exercise-induced hypertension, cardiovascular events, and mortality in patients undergoing exercise stress testing: a systematic review and meta-analysis. Am J Hypertens 2013;26(3):357–66.
10. Williams B, Mancia G, Spiering W, et al. 2018 ESC/ESH Guidelines for the management of arterial hypertension. Eur Heart J 2018;39(33):3021–104.
11. Doménech M, Roman P, Lapetra J, et al. Mediterranean diet reduces 24-hour ambulatory blood pressure, blood glucose, and lipids: one-year randomized, clinical trial. Hypertension 2014;64(1):69–76.
12. Campbell F, Dickinson HO, Critchley JA, et al. A systematic review of fish-oil supplements for the prevention and treatment of hypertension. Eur J Prev Cardiol 2013;20(1):107–20.
13. Liu R, Mi B, Zhao Y, et al. Effect of B vitamins from diet on hypertension. Arch Med Res 2017;48(2):187–94.
14. Juraschek SP, Guallar E, Appel LJ, et al. Effects of vitamin C supplementation on blood pressure: a meta-analysis of randomized controlled trials. Am J Clin Nutr 2012;95(5):1079–88.
15. Kass L, Weekes J, Carpenter L. Effect of magnesium supplementation on blood pressure: a meta-analysis. Eur J Clin Nutr 2012;66(4):411–8.

 

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