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Kritische Nährstoffe bei Frauen

Die Versorgung von Frauen ist – nach Daten des großen US-Survey NHANES – bei einer Reihe von Mikronährstoffen kritisch, und dies sowohl im gebärfähigen Alter als auch im/nach dem Klimakterium. Die Ergebnisse sind durchaus mit den Daten aus der Nationalen Verzehrstudie II für Deutschland vergleichbar.

Hintergrund

Die ausreichende Zufuhr von Nährstoffen ist zur Prävention nutritiver Defizite, Optimierung der Gesundheit und Eindämmung von Krankheit essenziell. Dabei beruht der Bedarf an einzelnen Vitaminen und Mineralstoffen auf dem Alter, dem Geschlecht, der Lebensphase und dem Lebensstil. Beispielsweise benötigen Schwangere und Stillende vermehrt Eisen, verglichen mit Frauen in der Peri- oder Postmenopause. Jedoch erreichen viele Amerikanerinnen die empfohlenen Werte bei einem oder mehr Mikronährstoffen in ihrer Kost nicht.

Nur aufgrund des Verständnisses von Mikronährstoffaufnahme und -status in verschiedenen Lebenssituationen können geeignete, gezielte Verzehrempfehlungen ausgesprochen werden.

Methoden und Ergebnisse

Ziel der vorliegenden Studie war es, die gesamten geschätzten Aufnahmemengen an Mikronährstoffen (MNS) aus Nahrungsmitteln und Nahrungsergänzungsmitteln zu bewerten und diese mit den etablierten Empfehlungen für Frauen in den verschiedenen Altersgruppen zu vergleichen. Dabei sollte auch der Zusammenhang zwischen den von den Frauen selbst berichteten geschätzten Aufnahmemengen und den Biomarkern für den MNS-Status, d. h. den Serumspiegeln, untersucht werden.

Dazu wurden Aufzeichnungen zum aktuellen Lebensmittelverzehr am vorangegangenen Tag (sog. 24-h-Recall) aus der großen NHANESa-Datenbank der Jahre 2011–2016 herangezogen, um die Aufnahme von MNS aus Nahrungsmitteln und Nahrungsergänzungsmitteln zu berechnen. Es lagen die Daten von 4.134 Frauen im gebärfähigen Alter (15–44 Jahre) bzw. von 3.438 Frauen in der Peri-/Postmenopause (45–65 Jahre) vor. Die mittleren berechneten Aufnahmemengen wurden dann mit den klinisch definierten Biomarker-Kategorien der MNS verglichen.

 

Die schlechte MNS-Versorgung wurde zum Teil durch die Verwendung von MNS-Supplementen aufgefangen. Bei Folsäure, Vitamin D, B12 bzw. DHA (Docosahexaensäure, eine Omega-3-Fettsäure) zeigten die Frauen in der niedrigsten Biomarker-Kategorie – ein Hinweis auf ein erhöhtes Risiko für einen Mangel – im Vergleich zu Frauen in der höchsten Biomarker-Kategorie eine signifikant geringere Aufnahme der vier genannten MNS aus Lebensmitteln (Folatäquivalente 315,2 μg vs. 463,8 µg, Vitamin D 3,5 μg vs. 4,2 μg, Vitamin B12 3,6 μg vs. 4,3 μg bzw. DHA 0,037 g vs. 0,070 g; p<0,01).

Fazit

In den US erfüllt ein beträchtlicher Anteil der Frauen im gebärfähigen Alter sowie in der Peri- und Postmenopause nicht die Verzehrempfehlungen für eine Reihe von Mikronährstoffen. Diese Situation findet sich vergleichbar auch in der deutschen Bevölkerung (siehe Max-Rubner-Institut, Nationale Verzehrsstudie II, verfügbar unter www.mri.bund.de/fileadmin/MRI/Institute/EV/NVSII_Abschlussbericht_Teil_2.pdf). Die diätetische Aufnahme war positiv verbunden mit den meisten Biomarkern für den MNS-Status.

Laut Autorenmeinung ist eine besondere Anleitung und Führung nötig, um die ausreichende MNS-Aufnahme und den MNS-Status in diesen wichtigen Lebensabschnitten zu gewährleisten.

 

a. NHANES: National Health and Nutrition Examination Survey; statistische Erhebung und Forschungsprojekt des National Center for Health Statistics (NCHS), USA. Damit soll der Gesundheits- und Ernährungszustand von Erwachsenen und Kindern in den USA erhoben und Änderungen im zeitlichen Verlauf dokumentiert werden.

b. EAR: Estimated Average Requirement; tägliche Zufuhrmenge eines Nahrungsbestandteils, die ausreicht, um den Bedarf von 50% der gesunden Personen in einer definierten Bevölkerungsgruppe zu decken.

 

Quelle:

Devarshi PP, Legette LL, Grant RW, et al. Total estimated usual nutrient intake and nutrient status biomarkers in women of childbearing age and women of menopausal age. Am J Clin Nutr 2021; Feb 10. DOI: 10.1093/ajcn/nqaa392

 

Bildquelle: © Mariia Korneeva / stock.adobe.com

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