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Probiotika in der Schwangerschaft – eine Metaanalyse

Werden in der Schwangerschaft Probiotika (im Wesentlichen Lactobacillus- und Bifidobacterium-Spezies) eingenommen, so können mit dieser Supplementierung der Nüchternblutzucker, der Insulinspiegel und die Insulinresistenz gesenkt werden. Aufgrund dieser Effekte wird das Risiko für die Entwicklung eines Schwangerschaftsdiabetes reduziert – so die Schlussfolgerung der Autoren einer aktuellen Metaanalyse.

Hintergrund

Es gibt Hinweise darauf, dass Zusammensetzung und Funktion des Mikrobiomsa im Darm während einer Schwangerschaft starken Veränderungen unterworfen ist. Diese Störungen der Darmflora (oder Dysbiose) können mit metabolischen Störungen einhergehen und zu einer Zunahme von Entzündungsparametern sowie einer Abnahme der Insulinsensitivität führen. Eine derartige Störung der Glukosetoleranz kann die Blutzuckerwerte sowie die freien Fettsäuren im Blut erhöhen und die Lipidperoxidation in der Spätschwangerschaft beeinflussen. Bei übergewichtigen Schwangeren kann die Darmdysbiose darüber hinaus zur Entwicklung von Stoffwechselentgleisungen und eines Schwangerschaftsdiabetes führen. Aus diesem Grund kommt der Prävention und der Behandlung der Dysbiose große Bedeutung zu.

Methoden und Ergebnisse

Mit der vorliegenden Metaanalyse klinischer Studien sollte der Effekt einer Probiotika-Supplementierung auf den mütterlichen Stoffwechsel und auf das Risiko eines Schwangerschafts- oder Gestationsdiabetes untersucht werden.

Dazu wurden randomisierte kontrollierte Studien (RCT) mit Schwangeren im Alter von 18 bis 40 Jahren mit oder ohne Gestationsdiabetes herangezogen, in denen die Effekte von Probiotika vs. Placebo/Kontrollen untersucht wurden. Aus den zu Beginn 648 recherchierten Quellen wurden gemäß den Auswahlkriterien 13 Artikel (zu 10 RCT) analysiert. Diese Studien, welche in die Metaanalyse gelangten, umfassten insgesamt 1.139 Schwangere. Die verabreichen Dosierungen an Probiotika reichten von 107 bis 1010 KBE (koloniebildende Einheiten pro Tag), wobei sich die Milchsäurebakterien im Wesentlichen aus Lactobacillus- und Bifidobacterium-Spezies zusammensetzen.

Im Rahmen der Auswertung ermittelten die Wissenschaftler um M. M. Han (Universität Nanjing, China), dass eine Supplementierung von Probiotika folgende Parameter effektiv reduzieren konnte:
– Nüchternblutzuckerwerte (SMDb -0,11 mmol/l, p=0,0003),
– Seruminsulinspiegel (SMD -2,06 μE/ml, p<0,00001) und
– Insulinresistenz anhand des HOMA-IRc (SMD -0,38, p<0,00001)

 

 

Es wurden in den klinischen Studien außerdem Lipidparameter unter Probiotika bzw. Placebo bestimmt. Zusammengefasst ergab die Metaanalyse unter einer Probiotikaeinnahme eine signifikante Reduktion des

– Gesamtcholesterins (SMD -0,56, p=0,03) und der
– Triglyceride (SMD -0,66, p=0,04).

 

 

Somit konnte die Probiotika-Supplementierung das Risiko eines Schwangerschaftsdiabetes in der Frühschwangerschaft (Risk Ratio (RR) 0,52, p=0,003) sowie die Blutfettwerte signifikant senken.

Zusammenfassung

Diese Metaanalyse klinischer Studien liefert Hinweise dafür, dass eine Probiotika-Supplementierung während der Schwangerschaft mit einem verbesserten Glukose- und Fettstoffwechsel verbunden ist und darüber hinaus mit einem verminderten Risiko eines Schwangerschaftsdiabetes einhergehen kann.

 

a. Mikrobiom: Gesamtheit der Mikroorganismen, die auf und in einem mehrzelligen Wirt leben – ein komplexes „Ökosystem“
b. Standardisierte Mittelwertdifferenz
c. HOMA: Homeostasis Model Assessment, Modell zur Berechnung der Insulinresistenz (IR). Beim Diabetes Typ 2 erscheint die Insulinresistenz lange, bevor die Hyperglykämie manifest wird. Mittels HOMA-IR ist ein zuverlässiger Nachweis der Insulinresistenz möglich.

 

Quelle
Han MM, Sun JF, Su XH, et al. Probiotics improve glucose and lipid metabolism in pregnant women: a meta-analysis. Ann Transl Med 2019;7(5):99.

Bildquelle: © nenetus/stock.adobe.com

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