Apotipp

Ob Schlaf, Snack oder Job – auf das richtige Timing kommt es an

Als der US-amerikanische Psychologe Dr. Michael Breus über Jahre Patienten mit Schlafstörungen behandelte, sollte er das Rezept für guten Schlaf nach dem Erproben diverser Therapieansätze in der Chronobiologie entdecken: Diese erklärt alle Vorgänge im menschlichen Körper anhand von Biorhythmen. Breus erforschte das „innere Uhrwerk“ in Bezug aufs Schlafen und nahm eine Neudefinition der Chronotypen vor: Die Einteilung von Schlaftypen in Eulen und Lerchen, wie wir in der Alltagssprache sagen, umfasste nicht alle Typen, die er identifizieren konnte. Unter stärkerer Berücksichtigung des genetischen Schlaftriebs benannte Breus vier Chronotypen, die Verhaltens- und vor allem Schlaf- und Wachmuster definieren und auf typische Merkmale des Energiehaushalts verweisen. Gesundheit, Fitness und Produktivität sind demnach eine Frage der erfolgreichen Synchronisierung von sozialem und biologischem Tagesablauf.1

Heute gilt Breus als einer der weltweit führenden Köpfe auf dem Gebiet der Schlafmedizin. Seine populärwissenschaftliche Veröffentlichung „Gutes Timing ist alles“2 gibt wertvolle Empfehlungen für Rituale gemäß unseres Chronotyps – auch für den Arbeitsalltag des Apothekers, in dem ein ausgeglichener Energiehaushalt und wacher Geist Gold wert sind.

Bär, Löwe, Wolf und Delfin im Takt der Natur

Die „innere Uhr“ bestimmt, ob wir morgens elanvoll aus dem Bett springen und am Arbeitsplatz direkt hochkonzentriert in anspruchsvolle Aufgaben einsteigen können, oder ob wir vor allem am späten Nachmittag und frühen Abend zur Höchstform auflaufen. Die körpereigenen Rhythmen sind ein „ausgeklügelter und präziser Schrittmacher“2 für zum Beispiel Körpertemperatur, Blutdruck, kognitives Denken, aber auch Verdauung und eben Schlaf. Als Psychologe Breus Patienten mit Schlafstörungen behandelte und die Chronotherapie anwandte, definierte er die Chronotypen neu und entwickelte einen Test zur Selbstbestimmung des eigenen Typus gemäß den Charakteristika der „tierischen Vorbilder“:2

Der Bär ist ein guter Schläfer mit eher hohem Schlafbedürfnis und folgt dem natürlichen Rhythmus von Sonnenuntergang und Sonnenaufgang. Jeder zweite Mensch ist ein Bär – mit relativ stabilen Energielevels über den Tagesverlauf, einem Leistungshoch am Vormittag und einem Leistungstief am Nachmittag.

Der Löwe ist ein Frühaufsteher und direkt nach dem Aufwachen einsatzbereit. Der Morgen und Vormittag gelingen ihm innerhalb des Energiehochs mit Leichtigkeit, ab dem frühen Nachmittag verliert er kontinuierlich an Energie. Knapp 15–20% gehören in diese Kategorie.

Der Wolf startet deutlich später in den Tag. Sein Leistungshoch gehört dem späten Vormittag und Abend. Wenn andere Schlaftypen müde werden, ist er noch energiereich und konzentriert. 15–20% der Menschen lassen sich in diese Kategorie einordnen.

Der Delfin hat einen leichten und häufig zu wenig Schlaf. Ein Leistungshoch liegt direkt am Morgen nach dem Aufstehen, der Abend bringt ein zweites Leistungshoch. Nur 10% folgen diesem Rhythmus.1


Im eigenen Rhythmus am Arbeitsplatz Apotheke

Die Tagesroutinen an den eigenen Chronotypen anpassen: Die Öffnungszeiten der Apotheke lassen sich selbstredend nicht verschieben – doch der Zeitpunkt des ersten Kaffees oder der Pause für einen kurzen Spaziergang, die Einteilung von Arbeitsinhalten über den Tag und die Wahl des geeigneten kohlenhydrat- oder eiweißreichen Mittagssnacks können positive Auswirkungen auf Energielevel und Frische haben, auf die Produktivität und letztlich auch die eigene Zufriedenheit. So wie sich individuelle Aufgaben nach den eigenen Leistungshöhen planen lassen, können Apotheker prüfen, ob dieses Angebot auch für Mitarbeiter in Frage kommt. Flexible Arbeitsbereiche können von Kollegen ausgefüllt werden, die im Kundenkontakt Energie tanken, die konzentriert genug für wichtige Bestellungen sind oder die den späten Nachmittag am besten für Routine-Aufgaben nutzen. Ein leistungsfähiges, ausgeglichenes und krisenfestes Team – das sorgt nicht nur für interne Zufriedenheit, sondern kommt auch beim Kunden an.

In der modernen Arbeitswelt „ist das Gefühl vom richtigen Zeitpunkt gänzlich auf der Strecke geblieben“2, sagt Dr. Michael Breus. Ein Vorschlag, der auch für den Arbeitsalltag des Apothekers taugt: In der nächsten Besprechung mit den Mitarbeitern statt nach dem „Wie“ nach dem „Wann“ fragen – und die überraschten Kollegen dazu ermuntern, ihre Snackpausen und Arbeitsschichten flexibler als bisher nach den eigenen Leistungshöhen und -tiefs zu planen. Und auch für das eigene Wohlbefinden zu sorgen und sich künftig als Bär, Löwe, Wolf oder Delfin „outen“.

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Quellen
1. Halfwassen K. Bär, Löwe, Wolf oder Delfin? Welcher Chronotyp sind Sie? 2020 Feb 2109. [Internet] Erhältlich unter https://www.impulse.de/management/selbstmanagement-erfolg/chronotypen/7472643.html [02.8.2020].
2. Breus M. Gutes Timing ist alles. Der richtige Zeitpunkt für Schlaf, Essen, Sex und fast alles andere. München: Goldmann Verlag, 2017.

Bildquelle: © Dennis / stock.adobe.com

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