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Probiotika verbessern Lipidprofil und Blutdruck bei Patienten mit Typ-2-Diabetes

Neben der Insulinresistenz und einem gestörten Fettstoffwechsel wird die Zusammensetzung der Darmflora als ein wichtiger Faktor bei der Entwicklung des manifesten Diabetes mellitus angesehen. In einer aktuellen Metaanalyse sollten die Effekte von Probiotika auf Blutfettspiegel und Blutdruck bei Patienten mit Typ-2-Diabetes auf dem Boden randomisierter kontrollierter Studien systematisch bewertet werden.

 

Hintergrund

Der Diabetes mellitus Typ 2 (T2DM) ist die häufigste chronische Stoffwechselerkrankung und steht in der allgemeinen Krankheitshäufigkeit nach Krebs und Herz-Kreislauf-Erkrankungen auf dem 3. Platz. Die Inzidenz der Krankheit hat weltweit in den letzten Jahren stark zugenommen, so dass sich hierdurch ein erhebliches Gesundheitsproblem im 21. Jahrhundert ergibt. Frühere Studien ermittelten, dass ca. 592 Mio. Menschen im Jahr 2035 weltweit an Diabetes leiden werden. Begünstigende Faktoren für die Entstehung eines T2DM sind u. a. Adipositas, unzureichende körperliche Aktivität und Genmutationen. Studien zeigten, dass eine chronische Entzündungsreaktion mit der Pathogenese der Insulinresistenz, der Veränderung der Darmflora bzw. des Mikroökosystems in Zusammenhang steht und in der Konsequenz T2DM hervorrufen kann. Im Zusammenhang mit der Darmflora spielen die Insulinresistenz als auch Fettstoffwechselstörungen eine zentrale Rolle innerhalb des metabolischen Syndroms.

Seit einiger Zeit stehen die Probiotika wegen ihrer vielfältigen positiven Effekte zunehmend im Fokus. Zu diesen Effekten zählen die Stärkung des Immunsystems, die Verbesserung des Lipidstoffwechsels, die Reduktion des oxidativen Stresses und sonstige Funktionen. In-vitro- und Tierstudien konnten zeigen, dass Probiotika den Zustand der Insulinresistenz verbessern und den Fettstoffwechsel regulieren können.

Methoden und Ergebnisse

Mit einer Literaturrecherche in relevanten medizinischen Datenbanken (PubMed, Embase, Cochrane sowie den chinesischen Datenbanken „China National Knowledge Infrastructure“ und „Wang Fang and Weipu“) suchten die Wissenschaftler anhand von Indexbegriffen qualitativ hochwertige randomisierte kontrollierte Studien. Der letzte Stand der Studien war Januar 2017. Zur Analyse der Ergebnisse wurden Mittelwertdifferenzen (SMDa bzw. WMDb) herangezogen.

Es wurden zehn Studien in die Metaanalyse aufgenommen, die 297 Patienten in der Therapie- und 294 Patienten in der Kontrollgruppe umfassten: Neun der Studienpublikationen berichteten über Effekte auf die Lipidwerte, vier Studien auf den Blutdruck und acht Studien auf den Nüchternblutzucker.

Die eingesetzten Probiotikazubereitungen waren vielfältig: So kamen Bierhefe, mit Lactobacillus helveticus (Joghurt Cardi04) fermentierte Milch, probiotischer Joghurt, Symbiotika (Prä- und Probiotika) bzw. Fructooligosaccharide (Präbiotika), probiotikahaltiges Brot und diverse reine Probiotika-Supplemente zum Einsatz.

Eigenschaften der Probiotika im Darm

Nach der systematischen Analyse fanden sich aufgrund der Probiotikaanwendung folgende Ergebnisse im Vergleich zu Placebo:

signifikante Senkung

- des Gesamtcholesterins (SMD -0,57)
- des LDL-Cholesterins (SMD -0,40)
- der Triglyceride (SMD -0,66)
- des systolischen (-5,0 mmHg, WMD -5.04) und diastolischen Blutdrucks (SMD -0,39)
- des Nüchternblutzuckers (signifikant erhöht in der Kontrollgruppe: SMD 3,54)

signifikante Erhöhung

- des HDL-Cholesterins (SMD 0,38)

 

Zusammenfassung

Aus den Ergebnissen der Metaanalyse zu den Effekten einer Probiotikaanwendung – mit signifikanten positiven Wirkungen auf Cholesterinwerte, Blutdruck und Nüchternblutzucker, also wichtige Stoffwechsel- bzw. Herz-Kreislauf-Parameter – schließen die Autoren, dass sich die Anwendung von Probiotika bei Patienten mit Typ-2-Diabetes positiv auf das Lipidprofil und die Hypertonie auswirkt.

 

a. SMD: standardisierte Mittelwertdifferenz; Differenz der mittleren Effekte in der Interventions- und Kontrollgruppe, geteilt durch die gepoolte Standardabweichung (standardisierte Einheit, nicht die Originaleinheit bei der Messung)
b. WMD: gewichtete Mittelwertdifferenz; Originaleinheit bei der Messung

 

Quelle:
He J, Zhan F, Han Y. Effect of probiotics on lipid profiles and blood pressure in patients with type 2 diabetes. Medicine (Baltimore) 2017;96(51):e9166.

Bild: © mimagephotos/stock.adobe.com

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