Sojaisoflavone – vielfältige Gesundheitseffekte bei Frauen

Review

Betrachtet man die frühere Literatur rund um Soja und Sojaisoflavone, so finden sich zwar eine Reihe von Nachweisen für die klinische Wirkung der Substanzen auf menopausale Beschwerden, insbesondere Hitzewallungen, aber gleichermaßen auch einige In-vitro- und Tierstudien, welche im Hinblick auf Brustkrebs, auf die evtl. Hypertrophie des Endometriums (Endometriumkarzinom) oder auf Störungen des Schilddrüsenstoffwechsels zur Vorsicht mahnten. Diese Datenlage hat sich mittlerweile deutlich verändert, so dass die Experten der Europäische Lebensmittelsicherheitsbehörde 2015 diese Bedenken für die im Markt befindlichen Produkte – mit Dosierungen zwischen 35 mg und 150 mg Isoflavone pro Tag – für die drei genannten Organsysteme ausräumen konnten.1,2

Hintergrund

Seit in den frühen 1990er Jahren Wissenschaftler die geringer ausgeprägten menopausalen Beschwerden sowie einer geringeren Prävalenz von Brustkrebs in Ländern mit sojareicher Ernährung (vor allem Japan, China) beobachtet hatten, befassten sich zahlreiche klinische Studien mit den Sojaisoflavonen und ihren gesundheitlichen Effekten. Dabei wurden häufig auch mögliche Risiken einer Soja- bzw. Sojaisoflavonaufnahme im Sinne einer „phytoöstrogenen“ Wirkung diskutiert. Die Studienlage stellt sich nun deutlich anders dar und zeigt, dass die Effekte der Isoflavone eben nicht „wie ein pflanzliches Östrogen“ (oder genauer: wie Estradiol) wirkt, sondern auf einer selektiven Estrogenrezeptor-Modulation am Estrogenrezeptor β beruht – allgemein abgekürzt als SERM.

Ergebnisse

Von den zahlreichen nachgewiesenen positiven Effekten der Sojaisoflavone sollen beispielhaft die Effekte auf die menopausalen Beschwerden und den postmenopausalen Knochenstoffwechsel anhand der aktuell verfügbaren Publikationen beleuchtet werden.3

Wirksamkeit gegen menopausale Beschwerden

Im Hinblick auf menopausale Beschwerden wurde bereits in den Jahren ab 2006 eine Reihe von Metaanalysen von einzelnen klinischen Studien publiziert. Die derzeit größte Metaanalyse stammt von Taku et al. (2012) und umfasst 19 Studien mit Daten zur Stärke und/oder Häufigkeit von Hitzewallungen. Sie kam zu dem Ergebnis, dass durch die Einnahme von Sojaisoflavonen über einen Zeitraum von 6 Wochen bis 12 Monaten Hitzewallungen um mehr als 20% weniger häufig auftraten als bei der Einnahme von Placebo (95%-KI -28,38 bis -12,86; p<0,00001). In längeren Versuchsstudien (mehr als 12 Wochen) ergab sich ein um rund 3-mal größerer Rückgang bei der Häufigkeit von Hitzewallungen als in kürzeren Studien. Annähernd alle Studien in der Metaanalyse ergaben durchgängig eine Verringerung der Häufigkeit und Stärke der Hitzewallungen. Im Gegensatz zur Hormontherapie (Estradiol) erreichten Sojaisoflavone 57% der Maximalwirkung von Estradiol. Allerdings benötigten die Substanzen für die Entfaltung ihrer Wirkung durchschnittlich 13,4 Wochen (vs. 3,09 Wochen bei Estradiol).

Wirkung auf den Knochenstoffwechsel

In den meisten mit Sojaisoflavonen durchgeführten klinischen Studien in der Postmenopause beobachtete man einen Rückgang beim Abbau der Knochenmineraldichte (BMD). Mehrere Studien hatten eine positive Wirkung von bis zu 6 und 12 Monaten nachgewiesen. Sie verwendeten als Studienvariable die BMD und biochemische Knochenumbaumarker und zeigten eine positive Wirkung in Zusammenhang mit dem postmenopausalen Verlust an Knochenmasse. Einzelne klinische Studien zwischen 2002 und 2007 zeigten unter Sojaisoflavonen eine geringere Abnahme der Knochendichte, gemessen anhand der BMD und ausgewählter Knochenabbaumarker. Genistein, das potenteste Isoflavon, hatte eine positive Wirkung auf die Knochenmasse über einen Zeitraum von 24 Monaten. Genistein in einer Dosierung von 54 mg pro Tag und die Hormontherapie (1 mg Estradiol in Verbindung mit 0,5 mg Norethindron) führten beide zu einem höheren BMD im Oberschenkelhals und in der Lendenwirbelsäule. Epidemiologische Kohortenstudien zeigten eine inverse Korrelation zwischen einer sojareichen Ernährung und der Häufigkeit von Knochenbrüchen. Darüber hinaus liegen zwei systematische Reviews bzw. Metaanalysen von randomisierten kontrollierten Studien vor, welche eine signifikante Verbesserung der BMD in der LWS, eine signifikante Reduktion von Desoxypyridinolin im Urin (Knochenumbaumarker), eine Verbesserung der Knochenfestigkeit und eine Abnahme des Knochenbruchrisikos nachweisen.

Zusammenfassung

Heute, nach Vorliegen wichtiger neuerer Humanstudien mit Sojaisoflavonen, gelten die noch gelegentlich in der Fach- wie Laienpresse geäußerten Bedenken gegen den Verzehr von Sojalebensmitteln bzw. die Supplementierung von Sojaisoflavonen überholt. Die derzeitige Datenlage weist darauf hin, dass Soja das Risiko für hormonabhängige Karzinome, wie Brust- oder Gebärmutterschleimhautkrebs, nicht erhöht. Regelmäßige Supplementierung von Isoflavonen in passender Dosierung von 35-150mg/d (s. EFSA-Bewertung 2015) kann sich im Gegenteil positiv auswirken und die Prognose für Frauen mit Brustkrebs bzw. einem hohen Brustkrebsrisiko verbessern.

Quellen
1. Mörixbauer A. Soja, Sojaisoflavone und gesundheitliche Auswirkungen. Teil 1. Ernähr Umsch 2019;66(3):M160–9.
2. EFSA. Risk assessment for peri- and post-menopausal women taking food supplements containing isolated isoflavones. EFSA J 2015;13(10):4246. (342 Seiten). Verfügbar unter: www.efsa.europa.eu/de/efsajournal/pub/4246 [30.04.2019]
3. Österreichische Menopausen-Gesellschaft. Soja-Isoflavone als erstes Mittel der Wahl gegen vasomotorische Beschwerden in der Menopause. Gyn-Aktiv 2016;(4) – 17.10.2016, 4 Seiten. (s. auch Schmidt M, et al. Gynecol Endocrinol 2016;32(6):427–30.)

Bildquelle: eggeeggjiew – stock.adobe.com

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