Zusammenfassung zu ausgewählten Mikronährstoffen (Quellen 1 bis 8)

Zusammenfassung zu ausgewählten Mikronährstoffen

Substanz Rationale für die Zufuhr und prä-/klinische Erkenntnisse
Allgemein: Vitamine, Mineralstoffe

Die Mikronährstoffe spielen eine bedeutende Rolle für die Zellen und Gewebe des Immunsystems. Ein Mangel oder ein suboptimaler Status beeinträchtigen die Immunfunktion und können die Widerstandskraft gegenüber Infektionen vermindern. Ergebnisse von Studien weisen darauf hin, dass ein schlechter Ernährungszustand zu einem schwerwiegenderen Krankheitsverlauf führt und nutritive Maßnahmen daher angezeigt sind. Dabei scheint nicht zuletzt der frühe Zeitpunkt dieser Maßnahmen eine Rolle zu spielen. Die meisten Patienten zeigen eine rasche Entwicklung von Husten zu Dyspnoe und weiter zum Atemnotsyndrom und der Intensivbehandlung mit künstlicher Beatmung.

Momentan wird ein pragmatischer Ansatz in der Ernährungstherapie bei nichtintensiv behandelten COVID-19-Patienten, der von einem multidisziplinären Team in der Lombardei (Italien) erarbeitet wurde. Eventuelle Abweichungen von den vorliegenden Ernährungsleitlinien erscheinen hierbei angesichts der besonderen klinischen Herausforderungen bei COVID-19 gerechtfertigt. Grundlegende frühzeitige Maßnahmen sind eine hochkalorische Kost mit leicht verdaulichen Lebensmitteln. Daneben erhalten die Patienten bei der Aufnahme intravenöse Infusionen von Multivitamin-Multimineralstoff-Lösungen. Bei vorliegendem Vitamin-D-Mangel wird sofort Cholecalciferol supplementiert.

Vitamin C

Dosierungen von über 200 mg pro Tag bewirken eine Vitamin-C-Sättigung des Bluts, außerdem können Risiko, Schweregrad und Dauer von Infektionskrankheiten der oberen und unteren Atemwege reduziert werden. Der Bedarf an Vitamin C ist bei Infektionen erhöht. Vitamin C hat vielfältige (pleiotrope) physiologische Eigenschaften, aber zahlreiche Hinweise liegen zum protektiven Effekt von hochdosiertem intravenösem Vitamin C bei einer durch Sepsis hervorgerufenen Atemnotsyndrom (ARDS) vor. Vitamin C erhält u. a. die alveoläre Epithelbarriere aufrecht und steuert die Flüssigkeits-Clearance in den Alveolen. In einer klinischen kontrollierten US-Studie wurde bei Patienten mit dieser Form des ARDS 15 g Vitamin C i. v. pro Tag über 4 Tage verabreicht. Mit dieser Vitaminzufuhr konnte die Mortalität bei den Patienten reduziert werden.

In einem chinesischen Zentrum läuft derzeit eine randomisierte kontrollierte Studie mit hochdosierten Vitamin-C-Infusionen bei COVID-19 (2x12 g Vitamin C pro Tag über 7 Tage). Es soll die Wirksamkeit und Sicherheit von Vitamin C bei dieser Viruserkrankung geprüft werden. Das primäre Zielkriterium ist die Zahl der beatmungsfreien Tage. Voraussichtliches Studienende ist September 2020.

Vitamin D

Die tägliche Supplementierung von Vitamin D reduziert das Risiko für akute Atemwegsinfektionen. Vitamin D zeigt antivirale Effekte, indem es die Virusreplikation stört und immunmodulierende und antiinflammatorische Eigenschaften aufweist. Daher besteht die Annahme, dass ein höherer Vitamin-D-Spiegel Vorteile im Hinblick auf die SARS-CoV-2-Infektion bringen kann. Schweizer Patienten, die positiv auf das Virus getestet worden waren, hatten signifikant niedrigere 25-Hydroxyvitamin-D-Spiegel als Patienten ohne Virusnachweis, was ebenfalls in der besonderen Altersgruppe ab 70 Jahren bestätigt wurde.

Experten empfehlen zur Behebung eines Mangels Dosierungen von 10.000 I.E. Vitamin D über einige Wochen, danach 5.000 I.E. pro Tag zur Erhaltung von Serumspiegeln von 40 – 60 ng/ml, die sich möglicherweise als vorteilhaft bei COVID-19 erweisen können. Höhere Dosierungen von Vitamin D sind besonders bei geschwächten, anfälligen Personen angezeigt, insbesondere bei den Lockdown-Maßnahmen und folglich geringerer Sonneneinstrahlung.

Zink

Zink ist ein wesentliches Spurenelement für die Entwicklung der Immunzellen und wichtiger Kofaktor zahlreicher Enzyme. Eine grenzwertige oder mangelhafte Versorgung mit Zink kann sich daher negativ auf die Immunlage auswirken: Zinkmangel trägt zu einer geschwächten zellvermittelten Immunität bei, wobei die Betroffenen besonders anfällig gegenüber Infektionen wie z. B. Pneumonien sind. Einige Studien konnten zeigen, dass eine Zinksupplementierung die Dauer einer Erkältungskrankheit verkürzen und die Zahl von Infektionen der oberen Atemwege bei Kindern reduziert.

Wissenschaftler vermuten, dass die Anhebung der Zinkzufuhr hilfreiche bei COVID-19 sein kann, da man sich damit eine Reduktion der Virenreplikation erhofft.

Selen

Dieses Spurenelement ist essenziell für die Redox-Prozesse (wichtig gegen oxidativen Stress). Dabei kann der Selenmangel nicht nur auf die Immunantwort selbst, sondern auch auf das verantwortliche Virus negative Wirkungen ausüben: Dadurch kann das Virengenom so verändert werden, dass ein normalerweise benignes oder leicht pathogenes Virus im Zustand des oxidativen Stresses zu einem hochvirulenten Erreger wird. Dies wurde bereits an Influenza- und Coxsackie-Viren nachgewiesen.

Grundlage dafür ist die Unterstützung einer Reihe von Enzymen durch Selen, welche synergistisch mit Vitamin E der Bildung freier Radikale und der oxidativen Schädigung von Zellen und Geweben entgegenwirken kann.

Omega-3-Fettsäuren  (EPA, DHA)

Omega-3-Fettsäuren tragen zur normalen Funktion des Immunsystems bei, insbesondere unterstützen sie die Auflösung der Entzündungsvorgänge.

In 3 früheren klinischen Studien bei akutem Atemnotsyndrom mit Lungenschädigung wurde eine Kombination von EPA und DHA sowie Antioxidanzien und Gamma-Linolensäure eingesetzt. In allen 3 Studien fanden sich positive Effekte auf das Entzündungsgeschehen und die klinischen Ergebnisse. Eine nachfolgende Metaanalyse wies signifikante Verbesserungen hinsichtlich der beatmungsfreien Tage, eines evtl. erneuten Organversagens, der Verweildauer auf der Intensivstation und der Mortalität nach.


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