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Zusammenhang zwischen Magnesium und KHK auch auf lange Sicht

In einer großangelegten Kohortenstudie gingen Wissenschaftler dem Zusammenhang zwischen einem niedrigen Magnesiumspiegel und dem erhöhten Risiko für die koronare Herzkrankheit (KHK) nach. Sie legen nun die Erfahrungen nach 27 Jahren Nachbeobachtung zusammen mit einer aktualisierten Metaanalyse vor.

Hintergrund

Der Mineralstoff Magnesium übernimmt viele wesentliche Funktionen im Körper. So ist er Cofaktor und Aktivator von Enzymen, trägt zur Energiegewinnung bei und steuert u. a. die Konzentration von Calcium. Niedrige Magnesiumspiegel konnten mit einem höheren Risiko für die Entwicklung einer koronaren Herzkrankheit (KHK) korreliert werden, aber auch mit einer höheren Inzidenz von Hypertonie und Diabetes. Dieser Zusammenhang basiert auf zahlreichen physiologischen Prozessen, die zu erhöhtem Blutdruck, chronischer Entzündung, Hyperglykämie oder Einschränkung des Gefäßtonus und der peripheren Durchblutung führen.

In einem früheren Artikel zur Atherosclerosis Risk in Communities (ARIC) Study (1998), in der die Verbindung zwischen Magnesium und KHK ausgewertet wurde, basierten die Daten auf 319 Ereignissen im Verlauf von 4 bis 7 Jahren. Dabei fand sich ein Unterschied bezüglich des Geschlechts insofern, als der Zusammenhang Magnesium <-> KHK stärker bei Frauen als bei Männern ausgeprägt war. Seitdem sind im Rahmen der ARIC-Studie 1.700 weitere KHK-Ereignisse hinzugekommen.

Methoden und Ergebnisse

Mit der neuen Bearbeitung und Aktualisierung der Daten wollten Rooney et al. (US-Universitäten Minneapolis, Atlanta und Johns Hopkins Baltimore) die Hypothese prüfen, dass der Magnesiumspiegel umgekehrt und unabhängig mit dem langfristigen KHK-Risiko verbunden ist. Bei der Metaanalyse wurden die Daten der insgesamt 14.446 ARIC-Teilnehmer sowie Daten weiterer verfügbarer prospektiver Kohorten- bzw. Fall-Kontroll-Studien, bei denen Magnesiumkonzentrationen in Relation zur KHK-Inzidenz untersucht wurden, berücksichtigt. Damit flossen die Daten von insgesamt 37.981 Studienteilnehmern in die Berechnung ein.

Die KHK-Ereignisse wurden als Herzinfarkt oder KHK-Mortalität definiert. Die Serummagnesiumspiegel wurden in Quintilen in der Phase 1 (1987–89) und 2 (1990–92) dargestellt. Es kamen sowohl Cox-Regressionsmodelle als auch Random-Effects-Analysen (Metaanalyse) zur Anwendung.

Im Verlauf einer 27-jährigen Nachbeobachtungszeit traten 2.131 KHK-Ereignisse auf. Generell ging ein niedrigerer Magnesiumspiegel mit einem höheren KHK-Risiko einher, und zwar nach Korrektur im Hinblick auf demografische Daten, Lebensstil und sonstige KHK-Risikofaktoren. Umgekehrt war ein höherer Serumspiegel von Magnesium mit einem geringeren KHK-Risiko verbunden (HRa Q1 vs. Q5: 1,28; pTrend<0,001, Erhöhung des Risikos bei niedrigen Spiegeln um 28 %). Der Zusammenhang war bei Frauen erneut stärker als bei Männern (HR Q1 vs. Q5 Frauen: 1,53, Männer HR 1,11; Risikoerhöhung um 53 % bzw. 11 %).

Das gepoolte relative Risiko (RR)a der 5 Studien für die KHK, bezogen auf die Magnesiumspiegel in der niedrigsten vs. höchsten Kategorie, betrug 1,18, d.h. insgesamt eine Erhöhung des KHK-Risiko um 18 %.

Zusammenfassung

Mit dieser großen Kohortenstudie und der aktualisierten Metaanalyse wird eine inverse Relation zwischen Magnesiumspiegel und Herz-Kreislauf-Risiko dokumentiert. Obwohl der Magnesiumhaushalt komplex ist, zeigen Ergebnisse von Interventionsstudien, dass sich die Magnesiumkonzentration durch Intervention (mit Supplementierung bzw. Ernährung) bei Menschen mit Hypomagnesiämie anheben lässt. Somit könnte eine Magnesiumsupplementierung eine mögliche Strategie zur KHK-Prävention sein.

 

a. HR (Hazard Ratio) und RR (Risk Ratio oder relatives Risiko): vergleichende Maßzahlen für das Risiko in Kohortenstudien; das Erkrankungsrisiko der exponierten Personen dividiert durch das Erkrankungsrisiko der nichtexponierten Personen. Die Interpretation von HR und RR ist ähnlich.

 

Quelle
Rooney MR, Alonso A, Folsom AR, et al. Serum magnesium and the incidence of coronary artery disease over a median 27 years of follow-up in the Atherosclerosis Risk in Communities (ARIC) Study and a meta-analysis. Am J Clin Nutr 2020;111(1):52–60.

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