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Das Auge hört mit

Für die Studie des Londoner University College waren über 1000 Teilnehmer, bestehend aus Laien und Profimusikern, mit der Beurteilung von Musikdarbietungen beauftragt worden. Dabei handelte es sich um internationale Klassik-Wettbewerbe. Ein Teil der Teilnehmer konnte die jeweils drei Finalisten nur sehen, ein anderer Teil nur hören und ein weiterer Teil hören und sehen. Sowohl Laien, als auch Profis konnten mit einer Wahrscheinlichkeit von fünfzig Prozent die tatsächlichen Gewinner allein aufgrund der optischen Wahrnehmung bestimmen. Das lag deutlich über der „Zufallstrefferquote“ von dreiunddreißig Prozent. Diejenigen, welche nur die Musik hörten, lagen mit sechsundzwanzig Prozent Trefferquote deutlich unter dem, was zu erwarten gewesen wäre.

Offensichtlich überwiegen sowohl bei Laien, als auch bei Profimusikern in der Beurteilung der Qualität einer Musikdarbietung die optischen Reize. Wie man aus den tatsächlichen Platzierungen herauslesen kann, trifft dies auch auf die Jurymitglieder der Wettbewerbe zu. Obgleich das Gehör dem Sehsinn in gewisser Weise überlegen ist, da es kurz aufeinanderfolgende Signale relativ gut voneinander unterscheiden kann, scheint das Sehen beim Zusammenwirken der Sinne den dominanteren Part zu bilden. 

Bild: © Jürgen Fälchle / fotolia.com