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Handy als Diät-Coach

Hand aufs Herz: Wer hat noch nie einen Handy-Schnappschuss vom eigenen Essen gemacht? Wer im Urlaub die große Meeresfrüchte-Platte bestellt oder zuhause eine perfekte Quiche Lorraine gezaubert hat, möchte deren verlockende Schönheit festhalten – bevor sie bestimmungsgemäß vernichtet wird. „Foodies“, also Bilder vom Essen sind beliebt und schnell gemacht – anders als aufwändige Ernährungstagebücher, in die von Hand Art und Menge jeder verzehrten Speise eingetragen werden müssen. Die Idee, das Essen quasi per Smartphone zu scannen, ist daher auch nicht neu. Schon 2011 kam eine entsprechende App auf den Markt, die allerdings neben der reinen Datenanalyse auch auf menschliche Begutachter setzte – und inzwischen nicht mehr verfügbar ist.

Aber wie soll ein Computer erkennen, was alles in unserem Tellergericht steckt– und dann auch noch die Portionsgröße richtig schätzen? Google setzt auf Computeralgorithmen, um den Kaloriengehalt von Food-Fotos zu berechnen. Dabei soll das Programm lernen und Erfahrungen sammeln, um möglichst gute Schätzungen zu erreichen. Trotzdem: Wie viel Butter auf einem Brötchen ist und ob die Cola zur Pommes kalorienfrei war, kann ein Rechner nicht erkennen – oder? Der Forscher Kevin Murphy sagt dazu: Das Verfahren wird halbautomatisch sein, der Nutzer kann falsch identifizierte Speisen korrigieren. „Wenn es zu 30 Prozent funktioniert, werden die Menschen anfangen, es zu nutzen“, ist sich Murphy sicher. „Dadurch sammeln wir Daten und es wird mit der Zeit immer besser.“ 

Entsprechende Apps können mehr sein als bloße Spielerei, das hat kürzlich eine amerikanische Ernährungsstudie gezeigt: Die Forscher sammelten Daten zu den Essgewohnheiten ihrer 150 Probanden, indem diese von allem, was sie aßen oder tranken, ein Foto machten. Weil sie das Smartphone ohnehin ständig bei sich trugen, flossen auch alle unterwegs verzehrten Snacks in die Auswertung ein. Die Wissenschaftler sind sich sicher, dass die so erhobenen Daten vollständiger sind als Ernährungstagebücher, die letztlich vom Erinnerungsvermögen der Studienteilnehmer abhängen. Die Handy-Studie zeigte jedenfalls: Die Freiwilligen aßen quasi „rund um die Uhr“. Jeder zweite nahm über mehr als 15 Stunden Nahrung auf. Ein Drittel der Kalorien kam erst nach 18 Uhr zusammen – vielleicht würde Googles Kalorien-App die Auswahl einer figurfreundlichen Portionsgröße am Tagesende erleichtern.

Bild: © Fotolia/capacitorphoto