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Müllabfuhr mit sechs Beinen

Kaum ist die Eiskugel auf den Asphalt geklatscht, tummeln sich schon emsige schwarze Pünktchen in der sahnigen Schmelze – die Ameisen sind meist die ersten, die sich um neue Nahrungsquellen scharen. Ihr Verdienst ist es auch, das weggeworfenes Essen in Straßennähe besonders schnell verschwindet, und nicht etwa im Park, wo zwar mehr Insektenarten leben – aber weniger Ameisen. Allein auf dem Mittelstreifen von Broadway und West-Street vertilgen Insekten 900 kg Essensreste jährlich, das entspricht etwa 60.000 Hot Dogs. Damit helfen die Krabbeltiere nicht nur der Stadtreinigung – sie machen auch Ratten und anderen Schädlingen Konkurrenz am gedeckten Tisch der Großstadt. 

Amerikanische Wissenschaftler wollten wissen, welchen Anteil die Insekten am Verzehr von Essenresten in der Stadt hatten. Dazu bedeckten sie kleine Köderhäufchen aus Chips, Keksen und Hot-Dogs mit Käfigen, um größere Tiere wie etwa Nager fern zu halten. Nach einem Tag hielten sie fest, wie viel Nahrung von den Futterstellen verschwunden war – und waren überrascht, wie effektiv die Tiere sich über die Lebensmittel hermachten.

Ob unter den Fast-Food-Insekten des Broadway Fettleibigkeit und Zivilisationskrankheiten weiter verbreitet sind als unter ihren Verwandten vom Land, wurde nicht untersucht. Wahrscheinlich gehören Arterienverkalkung und Altersdiabetes aber auch nicht zu den größten Gefahren eines Ameisenlebens.

Bild: © Dario Lo Presti / Fotolia.com