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Stress untergräbt die Disziplin

Starker Stress beeinflusst unsere Entscheidungen und sabotiert unsere Selbstkontrolle, das ist schon länger bekannt. Jetzt haben Neurologen aus Zürich Hinweise gefunden, dass schon leichte Belastungen (etwa ein anstrengendes Meeting oder ein schwieriges Kundengespräch) unsere Lebensmittelauswahl beeinflussen. 

Die Wissenschaftler „stressten“ gesunde Freiwillige mit der Aufgabe,  ihre Hand 3 Minuten in Eiswasser zu tauchen und sich dabei filmen zu lassen. Einer Kontrollgruppe blieben Eiswasser und Kamera erspart. Anschließend wurde mittels MRT die Gehirnaktivität gemessen, während die Versuchsteilnehmer am Bildschirm einen Snack aussuchten, den sie in der anschließenden Wartezeit verzehren sollten. Die Eiswasser-Gruppe wählte häufiger die ungesündere Variante wie Chips oder Kuchen, während die Kontrollgruppe sich eher für Obst und Gemüse entscheiden konnte. Alle Versuchsteilnehmer hatten angegeben, auf gesunde Ernährung zu achten und sportlich aktiv zu sein.

Hirnregionen, die mit der Selbstkontrolle und Entscheidungsfindung befasst sind, zeigten unter Stress veränderte Aktivitätsmuster im Vergleich zur Kontrollgruppe. Das Stresshormon Cortisol spielte dabei eine eigenständige Rolle. Die Forscher schließen daraus, dass sich Stress über mehrere Wege auf das Gehirn auswirkt.

Stressresistenz ist offenbar ein wichtiger Faktor für mehr Selbstdisziplin. Ob Entspannungstechniken zum Stressabbau auch zu einer besseren Selbstkontrolle führen, muss noch untersucht werden. Sicher scheint jedoch: In besonders stressigen Phasen eine Diät anzufangen oder sich selbst mehr Sport zu verordnen, erhöht das Risiko für frustrierende Misserfolge. Wer kann, beginnt damit besser an entspannteren Tagen. 

Bild: © Kalim/fotolia.com