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Viren beschützen
den Embryo

Die Forscher untersuchten die Genaktivität von 3 Tage alten Embryonen. Zu diesem Zeitpunkt besteht der neue Mensch aus gerade einmal acht Zellen. Die hatten reichlich Virus-Eiweiße geladen. So viel, das die Zellen damit regelrecht „vollgepackt“ erschienen, beschreiben die Wissenschaftler. Weitere Experimente ergaben: die Virus-Proteine schützen den Embryo offenbar vor anderen Viren. Außerdem sind sie daran beteiligt, den Bauplan der Zellen zu lesen und entsprechende Produkte für die weitere Entwicklung zu bilden. 

Die Beschützer-Viren sind vor etwa 200.000 Jahren in unser Erbgut gelangt und dort still integriert. Etwa 8 Prozent unserer DNA stammt ursprünglich von Viren, viele sind schon sehr viel länger dort. „Unser Erbgut ist ein Lebensraum – und die Viren sind seine Einwohner“, erklärt Luis Villereal von der Universität von Kalifornien, und ergänzt: „Wir sind Geschöpfe, die von Viren kontrolliert werden.“ Das hört sich ein wenig unheimlich an. Die Wissenschaftler gehen allerdings davon aus, dass Virus-DNA im Erbgut der Wirte die Möglichkeiten genetischer Anpassungen enorm erweitert hat. Vielleicht hat sie sogar zur Entstehung und Differenzierung der Arten beigetragen. Offenbar gilt für auch für Viren, was wir schon lange über Bakterien wissen: Es gibt Freunde und Feinde!

Bild: © Tatiana Shepeleva