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Der Fleischverzehr sinkt – langsam

Die Heinrich-Böll-Stiftung gibt den „Fleischatlas“ heraus, der sich kritisch mit der Produktion tierischer Nahrungsmittel beschäftigt. Nach ihren Berechnungen verbraucht ein „Durchschnittsdeutscher“ in seinem Leben etwa 700 Tiere. Das ist nur eine grobe Schätzung, denn auch unter Fleischessern sind die Ernährungsgewohnheiten im Wandel: Wenn mehr Geflügel verzehrt wird, kann die Zahl getöteter Tiere steigen, obwohl weniger Fleisch auf dem Teller landet, denn ein Huhn wiegt weniger als ein Rind.

Fleisch als „Arme-Leute-Essen“?

Rund 60 Kg Fleisch essen die Deutschen im Jahr, davon sind die Hälfte verarbeitete Produkte, etwa Wurst oder Schinken. Zum Vergleich: In Bangladesch und Indien, wo vegetarische Ernährung der Standard ist, liegt der durchschnittliche Pro-Kopf-Verbrauch bei nur 4 kg, im weltweiten Mittel bei 42 kg. Frauen essen übrigens im Schnitt nur etwa halb so viel Fleisch wie Männer. Interessant ist, dass der Fleischkonsum in Deutschland auch vom Bildungsniveau und dem Einkommen abhängt: Wer schlecht ausgebildet ist und wenig verdient, verbraucht (statistisch gesehen) mehr Tiere. Ein deutliches Indiz dafür, dass Fleisch noch immer als billiges Grundnahrungsmittel betrachtet wird. Der Anteil an Biofleisch liegt bei nur 2 Prozent – obwohl der „Biotrend“ bereits bis zu den Discountern durchgedrungen ist.

Die Fleischproduktion in Deutschland steigt übrigens – trotz des rückläufigen Verbrauchs: Immer mehr Schweine und Hühner aus konventioneller Massentierhaltung werden exportiert, während viele Deutsche sich bemühen, ihren Konsum nachhaltiger zu gestalten oder gleich ganz auf tierische Produkte verzichten. Das zeigt: Der Wandel in der Nahrungsmittelproduktion gelingt nicht allein vom deutschen Supermarktregal aus. Mit Publikationen wie dem Fleischatlas bemühen sich die Heinrich-Böll-Stiftung und der BUND (Bund für Umwelt- und Naturschutz) gemeinsam, die politische Debatte rund um Tierhaltung und nachhaltige Nahrungsmittelproduktion zu fördern.

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