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Elternschaft verändert
Immunsystem

Eltern kleiner Kinder kennen die Probleme: Etwa 10 Infektionen pro Jahr durchleben Kindergartenkinder, ständige Rotznasen, plötzliche Fieberschübe und fiese Magen-Darm-Infekte gehören zum Familienalltag. Für die Kinder sind solche Infektionen wichtige Entwicklungsschritte zur Ausbildung einer gesunden Immunabwehr. Und auch die Eltern frischen durch den Kontakt mit den vielfältigen Erregern ihre eigene Immunität auf, erklärt Johannes Liese, pädiatrischer Infektiologe am Universitätsklinikum Würzburg. In Kombination mit Stress und Schlafmangel, die bei der Pflege kranker Kinder fast unvermeidlich sind, legen die Erreger allerdings häufig auch die Eltern flach.

Keimschleuder Kind

Liston und seine Kollegen fanden nun heraus, dass das elterliche Immunsystem sich unter der ständigen Herausforderung auch langfristig verändert. Die Wissenschaftler untersuchten die Zusammensetzung der Immunzellen von 670 Menschen und stellten fest, dass sich das Immunsystem von Menschen, die gemeinsam Kinder haben, überraschend stark aneinander angleicht. Es war bereits bekannt, dass sich die Immunprofile zusammenlebender Paare annähern. Der Effekt gemeinsamen Nachwuchses ging aber darüber hinaus. Während sich die Immunabwehr nach einer Infektion (in der Studie Gastroenteritis) relativ schnell wieder in ihrem alten Zustand befand, blieben die Effekte der Elternschaft über den Beobachtungszeitraum von drei Jahren bestehen.

„Es war eine echte Überraschung, dass Elternsein eine größere Herausforderung für das Immunsystem zu sein scheint als eine schwere Gastroenteritis, sagte Adrian Liston. Wer sich aufgrund eines kranken Kindes mal wieder beim Arbeitgeber abmelden muss, darf sich also damit trösten, dass zumindest die körpereigene Abwehr volle Leistung bringt.

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