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Mit Liebe gemacht -
Lebensmittel aus der
Manufaktur

Man nehme ein bis zwei sympathische Gründerpersönlichkeiten, oft Quereinsteiger in der Welt der Lebensmittelproduktion, und ihre (gerne neu entdeckte) Passion für eine besondere Leckerei. Essenziell ist die Begeisterung für die traditionelle Herstellungstechnik des Lebensmittels (etwa Brauerei, Käserei, Imkerei, Rösterei), hilfreich die Verwendung lokal erzeugter Biozutaten. Eine Crowd-Funding-Kampagne beschafft, falls nötig, fehlendes Betriebskapital und leitet die Vorverkaufs-Werbung ein. Fehlt nur noch eine kreative, ästhetische und nachhaltige Verpackung und schon kann es losgehen. Im New Yorker Stadtteil Brooklyn ist so eine richtige Hochburg der Lebensmittelmanufakturen entstanden. Aber auch in deutschen Großstädten - allen voran Berlin – sprießen Mikrobrauereien, Mini-Kaffeeröster und kleine Chocolatiers aus dem urbanen Nährboden, den die Sehnsucht der Städter nach dem ursprünglich-natürlichen Leben gebildet hat.

Geschmäcker für Entdecker

Neben einer schönen Geschichte und der nachhaltigen Produktion kauft der Kunde ein besonderes Geschmackserlebnis, beispielsweise bei den Craft-Bieren: Die Mikrobrauereien experimentieren jenseits vom Massengeschmack mit besonderen Aromen und Brautechniken. Craft-Food-Festivals bieten inzwischen überall in Deutschland interessierten Genießern die Möglichkeit, die Kreationen zu verkosten. Termine findet man beispielsweise auf der Webseite Hopfenhelden. Auch auf anderen Gebieten gibt es Neues zu entdecken: Reisebloggerin Resi berichtet in ihrem Blog über die besten Cafés in Europa, welche Spitzenbohnen kleiner Röstereien aus aller Welt aufbrühen. Ob Marmelade oder Eis, Senf oder Spirituosen – in Markthallen und Delis locken ausgefallene Kombinationen natürlicher Zutaten die zahlungskräftige Kundschaft.

Gefühle als Geschmacksträger

Der eine oder andere Kritiker lästert bereits über die „antiindustrielle… Haltung einer bessergestellten, wohlhabenden, gebildeten und kulturaffinen Schicht, die wenig andere Probleme kennt“ (der Spiegel) als Basis für den neuen Hang zum Handwerk. In jedem Fall kann unsere Beziehung zu Produkten mit Geschichte deren Geschmack ebenso beeinflussen wie ihre Zutaten. Denn was hätte je Omas Plätzchen, den Wein aus der Kelterei am Urlaubsort oder das hausgemachte „Gelato“ der kleinen Eisdiele aus Kindertagen übertroffen? Liebe schmeckt man eben – wenn man daran glaubt.

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