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Das Vorbild
der Eltern prägt

Kein Grund zu resignieren, sagen Wissenschaftler aus den USA. Ihre Erkenntnis: Kinder speichern genau, was die Eltern bevorzugen. Langfristig beeinflusst dieses Wissen auch ihre eigene Lebensmittelwahl.

Gewohnheitsesser

Kinder sind meistens – einem uralten genetischen Programm zum Schutz vor Vergiftungen folgend – sehr konservative Esser. Bekanntes geht vor Experimenten, und am liebsten soll es süß oder salzig schmecken. Ungewohntes, Bitteres und Gemüse stößt dagegen oft auf Widerstand. Damit sind Konflikte am Familientisch vorprogrammiert, denn während Eltern auf Abwechslung pochen, würde der Nachwuchs sich gern an Vanilleeis satt essen.

Vorbild ersetzt Bewusstsein

Auch wenn es auf dem Kinderteller nicht immer danach aussieht: Das Vorbild der Eltern ist wichtig für die spätere Nahrungsmittelauswahl. In einem Experiment mit 8 bis 14-jährigen Kindern untersuchten Forscher aus Kansas die Gehirnaktivität bei der Auswahl des Essens. Zunächst durften die Kinder anhand verschiedener Abbildungen bewerten, wie attraktiv sie selbst bestimmte Speisen fanden. Wie erwartet landeten fettige, süße und salzige Snacks auf den vorderen Rängen. Die aktivste Hirnregion war der mittlere präfrontale Cortex, der offenbar die impulsgesteuerten Entscheidungen vermittelte. Anschließend wurden die Kinder gefragt, welches Essen ihre Mutter bevorzugen würde. Dabei wählten die Kinder die gesunden Lebensmittel aus, der linke präfrontale Cortex war aktiv und hemmte die impulsgesteuerte Hirnaktivität. Dieses Muster sehen Forscher auch, wenn sie Erwachsene dabei beobachten, den Nährwert einer Speise mit den eigenen Vorlieben abzugleichen.

Durchhalten lohnt sich

Bei den Kindern ersetzt das Wissen um die elterlichen Präferenzen also die Fähigkeit, eine bewusste Entscheidung zu treffen und ihre langfristigen Folgen abzuschätzen. Dieser Mechanismus greift, bis die eigene Selbstkontrolle ausgereift ist, normalerweise im jungen Erwachsenenalter. Es lohnt sich für Eltern also doppelt, eine gesunde Wahl zu treffen: Zum einen nützt eine ausgewogenen Ernährung der eigenen Gesundheit – zum anderen prägt sie die Kriterien, nach denen Kinder später ihren eigenen Teller füllen. Auch wenn es nicht immer direkt danach aussieht.

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