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Alt, wild und abwegig –
Zukunftsvisionen für unser Essen

Trendforscher beobachten, dass der besondere Geschmack „alter“ Getreide-, Gemüse- oder Obstsorten neue Wertschätzung erfährt. Damit gibt es seit Jahren  der „Standardisierung“ wieder mehr geschmackliche Vielfalt. Dazu passt, dass Pflanzenzüchter sich „Urgetreide“ wie Emmer, Dinkel oder Einkorn vorknöpfen  –  die alten Sorten sollen weiterentwickelt werden, damit sie sich wirtschaftlich anbauen lassen.  Die Mühe könnte sich lohnen: Alte Getreidearten haben ein volles Aromaprofil, speziell Einkorn schmeckt fein-nussig und daraus gebackenes Brot besonders frisch. Von den vielen hundert Apfelsorten, die allein in Deutschland wachsen, werden bisher nur wenige genutzt, der Einzelhandel hat 4-5 Sorten im Angebot. Aber jenseits von Elstar und Jonagold gibt es wieder häufiger alte Apfelsorten wie Berlepsch, Idared oder Rubinette zu kaufen.  Food-Forscher wie die Schweizer Ernährungswissenschaftlerin Hanni Rützler sprechen bereits von einer „Renaissance des Alten, Wilden und Abwegigen“.

Geschmäcker für Entdecker

Das „Abwegige“  bezieht sich auf ungewöhnliche, exotische oder vergessene Ausgangsstoffe. Im  dänischen „Nordic Food-Lab“ beispielsweise experimentieren Wissenschaftler aus aller Welt mit Mikroorganismen zur Veredelung ungewöhnlicher Rohstoffe. Sie fermentieren Innereien, Blut oder Insekten. Sie backen Brot aus Birkenborkenmehl und probieren neue Zubereitungen ausgefallener Pilze. Vieles davon ist streng genommen wieder entdeckte „Retroküche“, denn Inspirationen finden die Lebensmittel-Pioniere häufig in der traditionellen Küche verschiedener Völker in aller Welt. Welche kulinarischen Revolutionen tatsächlich unsere Alltagskost erreichen, bleibt spannend. Ganz nach dem Schriftsteller Mark Twain, der im letzten Jahrhundert feststellte:  „Prognosen sind schwierig, vor allem, wenn sie die Zukunft betreffen.“

Bild: © Natasha Breen / Fotolia.com