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Beikost a la carte?

Das Konzept des „Baby Led Weaning“, also des „Baby-gesteuerten Abstillens“ hört sich entspannt und spaßbetont an: Das Kind soll ab dem 6. Monat aus geeignetem Fingerfood (wie Gemüse und Obststücke oder gekochten Kartoffeln) selbst auswählen, was es isst. Anschließend wird gestillt, denn satt werden die Kleinen dabei in der Regel nicht. Das Konzept wurde 2014 von der britischen Stillberaterin Gill Rapley entwickelt und sieht vor, dass den Kindern „nichts in den Mund gesteckt werden soll“.

Kinderärzte sind dagegen

Der Berufsverband der Kinder- und Jugendärzte sieht die Methode allerdings kritisch. So sei schon kurze Zeit nach dem Abstillen der Eisenspeicher des Kindes praktisch leer, daher sollen Beikostbreie auch etwas Fleisch enthalten. Wer dagegen ohne Zähne an einem Streifen Hähnchen lutscht, bekommt kaum Eisen.

Auch sonst wird von den angebotenen Nahrungsmitteln auf diese Weise kaum genug gegessen (und geschluckt), um die Ernährung zu ergänzen. Die Kinder werden dann nicht satt.

Vorsicht mit Stückchen und Gewürzen

Feste Babykost kann immer auch in den „falschen Hals” geraten. Würgende Babys gelten beim Baby led weaning als normal. Eltern müssen daher immer in der Nähe sein – und starke Nerven haben. Kinderärzte warnen allerdings, dass Lebensmittel wie Nüsse oder (ganze) Trauben lebensgefährlich werden können, weil sie im Falle des Verschluckens die Luftröhre verschließen könnten.

Experimente und Ernährung verbinden

Die meisten Experten sind sich einig, dass man Babys und Kleinkindern eine gewisse Selbständigkeit beim Essen gönnen sollte. Geeignete Lebensmittel  selbst zu greifen und zum Mund zu führen, ist für Ernährungsanfänger eine Herausforderung - und ein Erfolgserlebnis. Außerdem sind die Kleinen in dieser Phase noch offen für neue Geschmäcker und untersuchen angebotene Nahrungsmittel gern mit Zunge und Gaumen. Anschließend sorgen dann Milch – oder eben auch Brei - dafür, dass die richtigen Nährstoffe in ausreichender Menge im Babybäuchlein ankommen.

Spätestens wenn die kleinen Forscher von Müdigkeit übermannt werden oder schlicht noch zu ungeschickt sind, ist Unterstützung angesagt. Der Löffel ist dafür nach wie vor ein geeignetes Hilfsmittel.

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