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Bewohnte Gebärmutter

In der Scheide siedeln Millionen von Milchsäurebakterien. Sie produzieren eine Säurebarriere, die schädliche Keime daran hindern soll, in den Muttermund vorzudringen. Bisher ging man daher davon aus, dass die weiter innen liegenden Fortpflanzungsorgane weitgehend keimfrei seien. Tatsächlich fanden Chen Chen und seine Kollegen bei ihren Untersuchungen an fast 100 Chinesinnen in Eileiter, Gebärmutter und Bauchhöhle sehr viele verschiedene Bakterienarten, deren Zusammensetzung variierte. Da die Frauen allerdings alle wegen kleinerer Eingriffe (allerdings ohne Infektion) in der Klinik waren, wo man die Gelegenheit nutzte, Gewebeproben zu entnehmen, muss man die Ergebnisse mit einer gewissen Zurückhaltung interpretieren. Möglicherweise weicht die Bakterienflora bei ganz gesunden Frauen etwas ab.

Gewimmel im Mutterbauch

Schwedische Wissenschaftler hatten bereits vor einigen Jahren Bakterien in der Placenta, also dem Mutterkuchen nachgewiesen. Die Erkenntnis, dass das ungeborene Kind vom ersten Tag an mit dem mütterlichem Mikrobiom, also der Bakteriengemeinschaft der Schwangeren, in Kontakt sein könnte, wirft viele neue Fragen auf. Immer deutlicher zeigt sich, dass die Zusammensetzung des Mikrobioms einen Einfluss auf die Gesundheit und Entwicklung eines Menschen hat – das gilt auch für Neugeborene. Vor diesem Hintergrund wird es spannend sein zu erforschen, wie  und zu welchen Zeitpunkt sich die Bakteriengemeinschaft der Mutter auf das Mikrobiom der Kinder auswirkt. 

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