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Kinderärzte gegen
„Mode-Diäten“

In einer entsprechenden Pressemitteilung der Gesellschaft für Pädiatrische Gastroenterologie und Ernährung warnt der Vorsitzende Michael Melter: „Es gibt sinnvolle Diäten und es gibt Diäten, die sind rein mystisch.“

Glutenfrei nur für Kranke

Glutenfreie Ernährung etwa sei bei der chronischen Darmkrankheit Zöliakie notwendig. Ohne diese Diagnose könne der Verzicht auf Weizenprodukte aber schaden. Nicht zuletzt seien die sozialen Folgen solch strenger Diäten zu berücksichtigen und die damit verbundenen Einschnitte in die Lebensqualität.

Auch die Nährstoffaufnahme kann unter den Diäten leiden: So führe der Verzicht auf Milchprodukte bei Kindern leicht zu einem  Kalziummangel. Der Bremer Kinderarzt und Gastroenterologe Martin Claßen gibt zu bedenken, dass Bauchschmerzen, Blähungen oder Durchfall bei Kindern sehr häufig keine organische Ursache hätten. Die Diagnose von Nahrungsmittelunverträglichkeiten gehört seiner Meinung nach in die Hände eines Facharztes – viele Heilpraktiker setzten zur Diagnose von Allergien und Unverträglichkeiten dagegen unwissenschaftliche Methoden ein.

Der Hype um die Diäten speise sich manchmal aus vermeintlichen Erfolgen: auch medizinisch nicht sinnvolle Diäten könnten einen Placebo-Effekt haben, denn die erhöhte Aufmerksamkeit und der Glaube an die Wirksamkeit könne die Beschwerden lindern. Findet der Facharzt keine organische Ursache für die Verdauungsbeschwerden, sei es sinnvoll, weggelassene Nahrungsbestandteile nach einiger Zeit wieder einzuführen und die Reaktion des Körpers zu beobachten.

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