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Ihr Kühlschrank
als Party-Location

Im Kühlschrank ist es ziemlich voll – selbst wenn dieser augenscheinlich  leer aussehen sollte: 11,4 Millionen Keime pro Quadratzentimeter wurden hier gezählt – und damit viel mehr als auf jedem Toilettensitz! Das ist allerdings nur auf den ersten Blick überraschend: Während wir das Badezimmer meist sehr regelmäßig mit Putzmittel reinigen, bekommt das Kühlschrankinnere deutlich seltener eine „Abreibung“. Dabei bieten sich hier gute Bedingungen für Keime: Es ist nämlich immer schön feucht – und das Buffet ist unschlagbar! „Vor allem im Kondenswasser an der Kühlschrankrückwand wimmelt es von Keimen”, sagt Charles Gerba, der bereits seit den 70-er Jahren die Verteilung unserer mikroskopischen Mitbewohner untersucht. Bevor jetzt Panik ausbricht: Es kommt natürlich nicht allein auf die Keimzahl an – auch die Art der Bewohner ist entscheidend. Die meisten sind nämlich harmlos.

Kälte killt keine Keime

Allerdings werden auch krankmachende Keime wie Campylobakter oder Salmonellen durch die Kälte im Kühlschrank nicht getötet – sie wachsen nur langsamer. Erreger von Lebensmittelinfektionen wie Listerien und Yersinien sind sogar recht kälteliebend.   Putzen ist also alternativlos, und zwar am besten mit Essigwasser oder Spülmittel. Für die Ablaufrinne eignet sich ein Pfeifenputzer. Desinfektionsmittel wird dagegen nicht empfohlen. Wichtig: Ein sauberes Spültuch verwenden und dieses anschließend heiß waschen (mindestens 60 Grad).

Ökosystem Kühlschrank

Wer die Mikroben-Party im Eisschrank einmal monatlich mit einer gründlichen Reinigung unterbricht und seine Lebensmittel in verschlossenen Gefäßen kühl stellt sorgt für eine gesunde Keimzahl. Dafür dürfen sie dann unbesorgt ein paar eigene Partygäste in die heimische Küche einladen.

Eine sterile Küche ist nicht das Ziel – und wäre auch unerreichbar. Eine aus mikrobiologischer Sicht verheerende „Unsitte“ der Küchenhygiene möchten die Mikrobiologen der Bevölkerung allerdings gerne abgewöhnen: in vielen Rezepten steht, man möge rohen Fisch oder Fleisch vor der Zubereitung unter fließendem Wasser waschen. Dabei verteilt sich ein bakterienreiches Aerosol auf allen Flächen der Küche. (Wer das nicht glaubt, möge diesen Arbeitsschritt einmal mit nacktem Oberkörper durchführen). Die versprühten Bakterien wachsen dann fröhlich weiter, während die Rohware ohnehin durchgegart werden soll und dann keine lebenden Mikroorganismen mehr enthält. 

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