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„Nutztierhaltungsstrategie“
bleibt vage

Ordnungsrechtlich eingreifen wolle man nicht, heißt es – obwohl aus dem Papier beispielsweise hervorgeht, dass erst das Verbot von Käfighaltung bei Legehennen großflächig veränderte Haltungsbedingungen angestoßen hat. Anzustreben sei stattdessen stets das Leitprinzip der „verbindlichen Freiwilligkeit“ – was immer das heißen mag.

Keine Stellung nimmt das knapp 60 Seiten starke Papier zu der Tatsache, dass der hohe Konsum tierischer Produkte schlecht mit einer nachhaltigeren und tierfreundlicheren Haltung vereinbar sein wird. Der Vegetarier-Bund gibt sich entsprechend enttäuscht von dem Konzept und bemängelt: „Den viel zu hohen Tierbestand und übermäßigen Konsum tierischer Produkte blendet das Papier aus.“ Verschwiegen werde, dass das gesellschaftliche Konsumniveau tierischer Produkte weit über den Empfehlungen der Deutschen Gesellschaft für Ernährung (DGE) liege, auf dessen Positionen sich das BMEL berufe.

Mehr geschlachtet – weniger gegessen

Tatsächlich wird in Deutschland noch immer viel Fleisch gegessen, im Durchschnitt etwa 60 kg pro Jahr und Einwohner. Aber: Der Fleischverzehr sinkt, 1996 waren es noch 8 Kilogramm mehr. In den vergangenen 20 Jahren ist der Verbrauch von Schweinefleisch im Durchschnitt um ganze 10 kg gesunken. (Von 46 kg auf 36 kg). Trotzdem wurde in Deutschland so viel Fleisch produziert wie noch nie, nämlich: 8,25 Millionen Tonnen. Das ist neuer Rekord – trotz sinkenden Fleischverzehrs. Inzwischen wird fast die Hälfte des Fleisches ins Ausland verkauft. Fleischverzicht allein wird an den Haltungsbedingungen vieler Nutztiere in Deutschland also nichts ändern, politischer Druck eventuell schon. 

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