1706gmknochen169

Rückenschmerzen:
Mehr reden statt röntgen

Hochgerechnet kommen die Experten der Stiftung aufgrund von Krankenkassendaten auf 38 Millionen Behandlungen wegen Rückenschmerzen im Jahr. Viele dieser Arztbesuche wären vermeidbar, schreiben die Autoren der Analyse. In einer repräsentativen Befragung gaben mehr als die Hälfte der Teilnehmer an, mit Rückenschmerzen solle man in jedem Fall einen Arzt aufsuchen. Das ist aber nicht immer nötig: „etwa 85 Prozent der akuten Rückenschmerzen gelten als nicht spezifisch und medizinisch harmlos.“ Diese Beschwerden verbesserten sich nach einigen Tagen bis Wochen von allein.

Mehr reden – aber richtig

Einmal beim Arzt wird oft teure Diagnostik eingesetzt – vorschnell, finden die Autoren, und entgegen der Leitlinie. Diese empfiehlt: Wenn sich durch das Patienten-Arzt- Gespräch und die körperliche Untersuchung keine Hinweise für einen gefährlichen Verlauf […] ergeben, sollen erst einmal keine weiteren Untersuchungen durchgeführt werden. Reden statt röntgen wäre also die angemessene Versorgung. Dazu Prof. Dr. Jean-Fronçois Chenot von der Universitätsmedizin Greifswald: „In den überwiegenden Fällen liefern Bilder keine konkreten Anhaltspunkte für den Grund von Rückenschmerzen. Viele Ursachen wie Stress, Unzufriedenheit am Arbeitsplatz oder Bewegungsmangel lassen sich eben auf keiner Röntgen oder MRT-Aufnahme erkennen.“

Die Empfehlung lautet denn auch, die Versorgung von Rückenschmerzen mehr an der Leitlinie zu orientieren. Dazu gehöre, den Stellenwert des Patientengespräches zu erhöhen: durch eine bessere Vergütung, auch gegenüber den bildgebenden Verfahren. Möglicherweise gibt es in Sachen Gesprächsführung und Aufklärung der Patienten zum Thema Rückenschmerz aber auch noch Schulungsbedarf bei einigen Medizinern:  Knapp die Hälfte der Patienten sagte, ihnen sei Schonung angeraten worden. Ebenso vielen erklärte der Arzt, ihr Rücken sei „kaputt“ oder „verschlissen“. Solche demotivierenden Einschätzungen fördern eine passive Haltung und können einer Verbessrung der Beschwerden nachhaltig im Wege stehen.

Bild: © ojo images