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„Sehen“ mittels Echoortung

Blinde beherrschen die Orientierung mit Hilfe von Klick- oder Schnalzlauten oft virtuos – ihr Gehirn berechnet aus den Schallsignalen ein Bild von Hindernissen oder Wänden im Raum. Dabei sind hauptsächlich Hirnbereiche aktiv, die normalerweise für die Verarbeitung von visuellen Eindrücken genutzt werden. Diese Areale haben quasi „umgeschult“, nachdem sie für das eigentliche Sehen nicht mehr gebraucht wurden.

Flexible Gehirnstrukturen

In München steckten Forscher nun Sehende in den Computertomografen und erzeugten eine virtuelle Schallumgebung wie in einer Kapelle. Nach wenig Training beherrschten auch die Sehenden die Echoortung überraschend gut. So konnten sie die Raumgröße recht genau schätzen, ein Proband wich dabei maximal um 4 Prozent von den tatsächlichen Raummaßen ab. Der Hirnscanner enthüllte, dass bei den Sehenden ganz anderen Bereichen aktiv waren als bei den blinden Versuchspersonen – obwohl das Gehirn zu ähnlichen Ergebnissen kam. Die Wissenschaftler werten diese Unterschiede als einen Beleg dafür, wie anpassungsfähig unser Denkorgan seine Aufgaben erledigt.

Meister der Echoortung sind übrigens Fledermäuse – die sich als nachtaktive Insekten-Jäger schlecht auf ihre Augen verlassen können. Sie entsenden Schallwellen mit besonders kurzer Frequenz (Ultraschall) und erreichen so eine besonders hohe Auflösung des „Schallbildes“ – quasi ein Motten-Sonar.

Bild: © Jayfish / Fotolia.com