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Vitamin D feiert Jubiläum

Wie wichtig Vitamin D für uns ist, sieht man den Meisten von uns direkt an: Im Lauf der Entwicklungsgeschichte machte uns die Abhängigkeit vom Sonnenvitamin zu Bleichgesichtern. Unser blasser Teint entwickelte sich nämlich als Anpassung an das knappe Sonnenlicht, als unsere Vorfahren aus den Tropen nach Europa wanderten. Jeder Sonnenstrahl wurde dringend zur Vitamin-D-Produktion gebraucht, die dunkle „UV-Schutzhaut“ war dabei nur hinderlich – und wurde nach und nach heller.

Durchbruch vor 100 Jahren

Vitamin D wurde erst entdeckt, als es vielen Menschen fehlte. Ab dem 16 Jahrhundert litten zunächst Adelige mit vornehmer Blässe, im Zuge der industriellen Revolution dann auch Arbeiter und ihre Kinder an einer rätselhaften Krankheit: eine „Knochenerweichung“ breitete sich immer weiter aus. Im 19. Jahrhunderts stellten Forscher einen Zusammenhang zwischen fehlendem Sonnenlicht in den überfüllten und versmogten Städten und der „englischen Krankheit“ her. Rachitis oder (bei Erwachsenen) Osteomalzie grassierte. Missionare berichteten, dass die Krankheit in Äquatornähe nicht vorkam, während in Nordeuropa um das Jahr 1900 ca. 80-90% der Kinder betroffen waren.

1918 heilte der junge britische Arzt Edward Mellanby rachitische Hundewelpen mit Lebertran von ihrem Gebrechen. Damit war bewiesen: Nährstoffmangel kann Rachitis auslösen. Kurz darauf wurde der entsprechende Nahrungsbestandteil identifiziert und „Vitamin D“ getauft.

Multitalent Vitamin D

Seitdem haben wir viel über Vitamin D gelernt: Das Hormon reguliert die Ablesung von etwa 2000 Genen im gesamten Körper. Es ist maßgeblich am Knochenstoffwechsel beteiligt, weil es die Aufnahme des Knochen-Bausteins Calcium aus dem Darm vermittelt. Darüber hinaus nimmt es Einfluss auf die Muskelkraft. Es ist ein machtvoller Immunmodulator, der von fast allen Immunzellen, wie etwa Makrophagen oder Lymphozyten, erkannt wird. Es gibt statistische Zusammenhänge zwischen dem Vitamin-D-Spiegel im Blut (bzw. seiner Speicherform, 25-Hydroxyvitamin D) und der Häufigkeit verschiedener Krankheiten wie etwa Typ2-Diabetes, bestimmter Krebsarten oder Autoimmunerkrankungen wie Multipler Sklerose. Ob und wie eine schlechte Vitamin-D-Versorgung an der Entstehung solcher Krankheiten beteiligt ist, wird gerade untersucht.

Alternative Quellen

Spätestens in den Wintermonaten gibt es nördlich des 51. Breitengrades (das ist etwa bei Köln) selbst mit heller Haut und bei höchstem Sonnenstand keine Chance mehr auf Eigenproduktion durch die Haut. Jetzt können Vitamin-D-reiche Lebensmittel einen Beitrag zur Versorgung leisten. Die Deutsche Gesellschaft für Ernährung empfiehlt 20 Mikrogramm Vitamin D täglich, wenn die Eigenproduktion brach liegt. Das entspricht der Menge, die etwa in 400 g Lachs oder sieben Eiern enthalten ist. Es ist also kaum möglich, 20 µg Vitamin D über die Nahrung aufzunehmen. Wer weder Lebertran noch andere Nahrungsergänzungen einnehmen möchte, zehrt in dieser Zeit von seinem (hoffentlich gut gefüllten) Vorrat. Schwangere, Stillende und Menschen, die in den vergangenen Monaten längere Zeit nicht in die Sonne konnten, etwa weil sie krank oder pflegebedürftig sind, sollten mit ihrem Arzt oder Apotheker über die Einnahme von Vitamin D sprechen. 

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