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Einfache Rezepte für
gesunde Ernährung?

Fett- oder Zuckergehalt, Zusatzstoffe oder Herkunft – was ist entscheidend dafür, wie „gesund“ ein Lebensmittel ist? Einige Forscher haben einen neuen Ansatz entwickelt, um den Gesundheitswert von Nahrungsmitteln einzuordnen. Ihrer Meinung nach entscheidet der Verarbeitungsgrad wesentlich darüber, wie oft wir etwas essen sollten. Sie sortieren die Nahrungsmittel in vier Gruppen von „unverarbeitet“ bis „hochverarbeitet“

Ist „hochverarbeitet“ ungesund?

Eine aktuelle Studie mit Daten von mehr als 105.000 Teilnehmern lieferte Hinweise auf einen Zusammenhang zwischen dem Konsum hochverarbeiteter Produkte und dem individuellen Krebsrisiko. Konkret lag das Krebsrisiko insgesamt bei etwa 2 Prozent. Wer 10 Prozent mehr „Fertignahrung“ zu sich nahm als der Durchschnitt der Teilnehmer, hatte ein 10 Prozent höheres Risiko, also 2,2 Prozent. Das klingt wenig, bedeutet aber: Wenn alle Studienteilnehmer 10 Prozent mehr hochverarbeitete Lebensmittel gegessen hätten, würde man rechnerisch in dieser Untersuchung mehr als 200 zusätzliche Krebsfälle erwarten!

Hinweise, aber kein Beweis

Die Wissenschaftler weisen allerdings selbst darauf hin, dass ihre Daten auf den Selbstauskünften der Teilnehmer einer großen Online-Untersuchung basieren und nicht repräsentativ für die Bevölkerung sind. Außerdem waren die Essgewohnheiten auch mit anderen Lebensstilfaktoren gekoppelt. Die Forscher versuchten daher, mit Hilfe spezieller Rechenmodelle Einflüsse wie das Rauchen oder wenig Bewegung herauszurechnen. Trotzdem lässt es sich nicht ausschließen, dass es für den Anstieg des Krebsrisikos noch andere Faktoren als die Ernährung gab.

Was ist denn „hochverarbeitet“?

Für diese (und ähnliche Untersuchungen) wurden Lebensmittel in vier Schubladen sortiert. Die erste Gruppe enthält weitgehend naturbelassene Lebensmittel, die aber durchaus getrocknet, gefroren oder zerkleinert sein dürfen. Grob gesagt enthält diese Klasse das meiste von dem, womit Uroma gekocht hat. In der zweiten Gruppe befinden sich verarbeitete, aber eher in kleinen Mengen zugesetzte Lebensmittel, wie Salz, Honig oder Pflanzenöl. Gruppe 3 enthält (eher traditionell) verarbeitete Lebensmittel wie Eingemachtes, gesalzene Nüsse, frisches Brot oder Käse. Auch alkoholische Getränke gehören hierher, wenn sie nicht destilliert wurden (etwa Wein oder Bier).

Der ganze Rest steckt in Gruppe 4: Fruchtjoghurt, Pizza, Kuchen oder Kekse, Eis, abgepacktes Brot, Hähnchennuggets oder Fischstäbchen, Würste, Burger Fertigsuppen usw….Mit anderen Worten: fast alles aus industrieller Fertigung.

Verlockend einfach

Das Konzept zur Klassifizierung von Lebensmitteln nach ihrem Verarbeitungsgrad ist interessant und ließe sich in einfache Empfehlungen übersetzen. Experten schätzen, dass wir bereits 50 Prozent unserer täglichen Kalorienzufuhr mit hochverarbeiteten Lebensmitteln decken. Die Nachteile liegen auf der Hand: Fertigprodukte enthalten oft besonders viel Zucker, Salz und gesättigte Fette, dafür wenig Ballaststoffe. Viele verlieren im Zuge der langen Verarbeitungskette wertvolle Mikronährstoffe wie Vitamine und Spurenelemente. Unabhängig von der noch dünnen Beweislage zum Einfluss solcher Lebensmittel auf die Entstehung bestimmter Krankheiten sind naturbelassene Lebensmittel ein wichtiges Element einer ausgewogenen Ernährung.

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