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Impfung gegen Stress?

Dauerstress kann schädliche Entzündungsreaktionen auslösen und so die mentale Gesundheit beeinträchtigen. Der Kontakt mit bestimmten Bodenbakterien scheint solche Entzündungen zu bremsen – und könnte dabei helfen, das Gehirn vor Stressfolgen zu schützen. Die Wissenschaftler hatten Ratten wiederholt ein Präparat aus abgetöteten Bakterien der Art Mycobacterium vaccae gespritzt. Nach einigen Tagen untersuchten sie die Aktivität verschiedener Entzündungsparameter. Sie stellten fest, dass die Konzentration eines antientzündlichen Proteins erhöht war. Wurden die Tiere nun einer stressigen Situation ausgesetzt, reagierte ihr Gehirn weniger auf die Belastung als die Gehirne von Vergleichstieren ohne „Impfung“. Die Ergebnisse passen zu älteren Beobachtungen, die bisher allerdings alle ein Manko teilen: Sie wurden an Mäusen gewonnen.

Es gibt aber Hinweise, dass sich der Kontakt mit dem Bodenbakterium auf die Gemütslage von Menschen auswirkt. Die stimmungsaufhellende Wirkung von Gartenarbeit könnte wenigstens teilweise damit zusammenhängen.

„Entzündliche Immunreaktionen bei Menschen können beispielsweise zu depressionsähnlichen Symptomen führen“, erklärt Matthew Frank von der Universität Colorado. Vor diesem Hintergrund ist es äußerst spannend zu klären, ob eine Behandlung mit dem Bakterium die Stressreaktion des menschlichen Gehirns positiv beeinflussen kann. Die Autoren der Studie träumen davon, Notfallmediziner oder Soldaten mithilfe von Mycobacterium vaccae auf besonders stressige Einsätze vorbereiten zu können, um sie beispielsweise vor einer posttraumatischen Belastungsstörung zu schützen. Ob das Wirklichkeit wird, bleibt abzuwarten.

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