1810gmkinderernaehrung169

Kinderärzte fordern härtere
Maßnahmen gegen Übergewicht

Die Zahl stark übergewichtiger Kinder ist in den letzten Jahren stabil geblieben – das ist die gute Nachricht. Informationsbroschüren und Gesundheitsbildungsprogramme haben interessierte Familien erreicht. Gleichzeitig hat sich das Risiko für Kinder aus armen oder bildungsfernen Elternhäusern stark erhöht, an krankhaftem Übergewicht und dessen Folgeerkrankungen zu leiden: Es ist inzwischen viermal so hoch wie das für ihre Altersgenossen mit besser ausgebildeten Eltern. „Die in Deutschland bisher favorisierte Strategie der Stärkung von Familien, z. B mit gut gemachten Broschüren und vielfältigen Informationsangeboten, hat häufig die ohnehin interessierte Familien aus der Mittelschicht erreicht, aber keinen ausreichenden Schutz der Kinder aus Risikogruppen erzielt. Und mit Projektarbeit allein ist das Problem nicht lösbar“, fasst Prof. Dr. Ingeborg Krägeloh-Mann, Präsidentin der Deutschen Gesellschaft für Kinder- und Jugendmedizin (DGKJ), die Bemühungen um Prävention von Adipositas im Kindesalter zusammen.

Einschneidende Maßnahmen gefordert

Die Verbände fordern ein umfangreiches Maßnahmenpaket: Mindeststandards für das Essen in Kita und Schule, sowie ein Verbot zuckerhaltiger Erfrischungsgetränke an den Schulen. Eine einfache Lebensmittelkennzeichnung mit Ampelfarben und Buchstaben nach dem Vorbild Frankreichs. Eine konsequente Beschränkung der an Kinder gerichteten Werbung für Lebensmittel und eine Zuckersteuer wie etwa in Großbritannien. An freiwillige oder selbstkontrollierte Verbesserungen durch die Lebensmittelindustrie glauben die Beteiligten nicht mehr. „Wir hoffen sehr auf die Bereitschaft der Politik zu konsequenten Maßnahmen, denn die Lasten des heute bestehenden kindlichen Übergewichts für Krankheitsfolgen und eingeschränkte Lebenschancen sind enorm hoch. Allein die Gesundheitskosten für die heute in Deutschland übergewichtigen Kinder und Jugendlichen belaufen sich auf 1,8 Milliarden Euro. - Wir können es uns nicht leisten, nichts zu tun!“ so Berthold Koletzko, Vorsitzender der DGKJ-Ernährungskommission in einer Presseerklärung.

Bild: © kwanchaichaiudom, Fotolia