1809gmaugen169

Lässt sich
Kurzsichtigkeit
vermeiden?

Weltweit sind immer mehr Menschen kurzsichtig, 40 Prozent der Deutschen sind bereits betroffen. Da der Anteil von Kurzsichtigen mit dem Bildungsgrad steigt, vermutet man einen engen Zusammenhang zwischen der Entstehung von Kurzsichtigkeit und den Lesegewohnheiten. Lässt sich das Auge durch veränderte Kontraste entlasten? Darauf haben Wissenschaftler aus Tübingen nun Hinweise gefunden.

Geheimtipp invertierter Text

Die Zellen der Netzhaut messen nicht einfach die Helligkeit, wie die Digitalkamera unseres Smartphones, sondern reagieren auf Kontraste. Dabei gibt es zwei Zelltypen: Einige Retinazellen werden aktiv, wenn das Zentrum ihres Sehbereiches heller ist als der Rand. Andere Zellen funktionieren genau umgekehrt. Draußen werden beide Zelltypen ähnlich stark beansprucht, beim Lesen von dunklem Text auf weißem Grund wird nur eine Art Sehzellen gefordert. Das hat Folgen: In einer Pilotstudie konnten Wissenschaftler der Uni Tübingen zeigen, dass sich eine bestimmte Schicht des Auges beim Lesen von schwarzem Text auf weißem Grund verändert. Die sogenannte Aderhaut wurde dünner, wenn Probanden eine Stunde lang mit klassischem Kontrast lasen. Invertierten die Wissenschaftler die Texte (also weiße Schrift auf schwarzem Grund), trat ein gegenteiliger Effekt ein. Möglicherweise könnte also das Lesen von invertiertem Text die Veränderungen im Augapfel aufhalten.

Sollte sich dieser Zusammenhang in weiteren Untersuchungen bestätigen, hätten die Forscher einen einfachen Hebel, um der Entstehung von Kurzsichtigkeit entgegenzuwirken: Texte sollten am Rechner (zumindest gelegentlich) mit invertiertem Kontrast gelesen werden.

Bild: © max dallocco, Fotolia