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Rekord-Augen:
Manche sehen besser

Schärfe durch Auflösung

Wir Menschen können in einem Grad unseres Sehfeldes knapp 60 Linien unterscheiden – vorausgesetzt unsere Augen arbeiten ohne Beeinträchtigungen. Ein Adler schafft in der gleichen Fläche 143 Linien. Die höhere Auflösung erreicht er durch proportional viel größere Augäpfel und deutlich mehr Zapfen-Sehzellen. Andere Vögel unterscheiden die zeitliche Abfolge von Bildern viel präziser als wir. Für eine Blaumeise besteht unser Fernsehbild beispielsweise aus einer hakeligen Folge von Einzelbildern.  Denn während wir nur etwa 16 Bilder pro Sekunde unterscheiden können, konnten die Meisen bei Experimenten mit Flackerlicht noch 146 Lichtblitze pro Sekunde als Flackerlicht erkennen. Energiesparlampen und LEDs in unseren Häusern flackern 100 Mal pro Sekunde. Wir bemerken das nicht, aber ein eingesperrter Singvogel muss unter diesen Bedingungen im Dauerflackern leben.

Licht und Schatten

Fotografen wissen: Wer bei schlechtem Licht gute Bilder machen möchte, muss die Lichtempfindlichkeit der Kamera erhöhen. Das haben Katzen perfektioniert: Die Dämmerungsjäger können ihre Pupille dreimal stärker erweitern als wir Menschen, so dass mehr Licht auf ihre Netzhaut fällt. Diese ist mit doppelt so vielen lichtempfindlichen Stäbchen ausgerüstet und nutzt mit Hilfe einer zusätzlichen, reflektierenden Pigmentschicht das einfallende Restlicht optimal aus.

Wenn mit der Lichtempfindlichkeit nichts mehr zu holen ist, schalten Fotografen ein Blitzlicht zu. Das machen auch manche Fische. Sie besitzen unterhalb der Pupille einen sogenannten „Augenfunken“, einen reflektierenden oder gar fluoreszierenden Fleck. Der Spitzkopf-Schleimfisch beispielsweise setzt verschiedenfarbige, der Umgebung angepasste Lichtblitze ab, um seine Beute besser auszuleuchten, berichteten Forscher aus Tübingen im Februar dieses Jahres. 

Entfernung messen

Der Abstand zwischen den menschlichen Augen beträgt ungefähr sieben Zentimeter. Dadurch erreichen zwei unterschiedliche Bilder unser Gehirn. Die Abweichung zwischen den Bildern nutzt das Gehirn, um ein dreidimensionales Bild zu erzeugen, dieses Verfahren nennt man Stereoskopie. Das ist unter anderem wichtig, um Entfernungen zu schätzen.

Eine besonders präzise Entfernungsmessung benötigt das Chamäleon: Seine klebrige Zunge schnellt hervor und muss das Beutetier beim ersten Versuch genau treffen. Dazu nutzt das Tier aber keine Stereoskopie. Stattdessen berechnet sein Gehirn den Abstand aus dem Zusammenziehen der Augenmuskeln, welches nötig ist, um das Opfer scharf zu sehen.

Ach ja, die größten Augen hat ein sehr großes Tier, dass in den lichtarmen Tiefen der See jagt: Riesentintenfische wie der Kolosskalmar haben mit bis zu 30 Zentimetern Durchmesser die größten Augen der Erde.

Bild: © Reptile Pod, Unsplash