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Rückenschmerzen
durch Bakterien?

Chronische Rückenschmerzen sind weit verbreitet und halten sich trotz verschiedener Therapieansätze oft hartnäckig. Patienten, die einen Bandscheibenvorfall hatten, klagen oft noch lange nachdem dieser als ausgeheilt gilt unter Schmerzen. Bei etwa der Hälfte dieser Patienten zeigen sich im MRT Wasseransammlungen (Ödeme) im Knochenmark. Die Dänin Hanne Albert konnte zeigen, dass in etwa der Hälfte der ehemaligen Bandscheiben-Patienten Bakterien im Gewebe nachzuweisen waren, die normalerweise Teil der Mundflora sind. Die Bakterien könnten über kleine Verletzungen der Mundschleimhaut, wie sie beim Zähneputzen entstehen, ins Blut und von dort zur Bandscheibe gelangen.

Mit einer Langzeit-Antibiotika-Therapie konnten Wissenschaftler aus Dänemark in einer Pilotstudie die Schmerzen der Patienten lindern. Bis daraus allerdings allgemeine Therapieempfehlungen werden, kann es noch dauern: Antibiotika haben ihre Schattenseiten, etwa eine mögliche Resistenzbildung und die Zerstörung der Darmflora der Patienten. Trotzdem erhielt die federführende Forscherin einen Forschungspreis der Gesellschaft für Schmerzmedizin. In der Begründung hieß es: „Hanne Albert hat mit ihrer bahnbrechenden Arbeit schmerzmedizinische Denkweisen nachhaltig verändert und eine neue Diskussionsbasis zum Verständnis von chronischen Rückenschmerzen geschaffen.“ Für die Betroffenen bleibt die Hoffnung, dass die neuen Erkenntnisse möglichst schnell in effektive Therapieansätze überführt werden können.

Bild: © fotolia / Anastasiia Kazakova