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Was Erkältungsviren hilft

Längst nicht jeder Kontakt mit potenziell schnupfenauslösenden Rhinoviren führt auch zu einer Infektion mit Symptomen. So konnte in einer großen Beobachtungsstudie mit Familien gezeigt werden, dass fast doppelt so viele Personen Erkältungsviren beherbergten als solche, die sich auch krank fühlten. Welche Faktoren entscheiden darüber, ob ein Virus die „erste Verteidigungslinie“ überwindet?

Abwehrkampf an zwei Fronten

Dazu kultivierten Forscher aus den USA Schleimhautzellen aus Nase und Lunge im Labor. Konfrontiert man die Zellen mit Virus-Fragmenten, starten sie ein Abwehrprogramm. Interessanterweise hatten sie dabei unterschiedliche Schwerpunkte: Während die Zellen aus der Nase vor allem die Virusvermehrung zu verhindern suchten, bekämpften die Lungenzellen gezielt oxidativen Stress. Im nächsten Schritt setzten die Forscher die Nasenzellen zusätzlich zum Viruskontakt unter oxidativem Stress (in diesem Fall mit Zigarettenrauch). Daraufhin fuhren diese die antivirale Verteidigung herunter und widmeten sich verstärkt der Stressantwort. Offenbar müssen die Zellen sich entscheiden: Beide Verteidigungsstrategien gleichzeitig aufrechtzuerhalten scheint unmöglich. 

Oxidativer Stress unterdrückt also die frühe Virusabwehr. Mit verschnupften Kollegen „schnell eine rauchen zu gehen“ ist also keine gute Idee, auch nicht als Passivraucher. Feinstaub und Rauch aus Kamin und Feuerschale können die Atemwege übrigens ebenfalls „stressen“. An frischer Luft dagegen haben die Zellen freie Bahn zur Virusbekämpfung.

Bild: © Petrin Express, Unsplash