1812gmwissen169

Weltraumküche:
Penibel ausgewogene Ernährung

Begrenzte Kapazitäten, schwierige Bedingungen – an Lebensmittelverschwendung ist im All nicht zu denken. Die Astronautenverpflegung muss viele Voraussetzungen erfüllen – und auch noch schmecken.

Krabbencocktail und Erdbeeren

„Die Nahrungsmittel müssen haltbar, dabei ansprechend und schmackhaft sein, die ernährungsphysiologischen Anforderungen erfüllen und so verpackt sein, dass sie in Mikrogravitation gegessen werden können“, erklärt Prof. Heer. Zur Konservierung werden die Lebensmittel entweder hitzesterilisiert oder gefriergetrocknet. Die sterilisierten Produkte sind in Dosen oder Plastikbeutel verpackt, das spart den Kühlschrank. Erhitzt werden sie in einem speziellen Ofen. Gefriergetrocknetes wie Rührei, Kartoffelbrei oder Spinat wird mit heißem Wasser aufgegossen. „Es wird versucht, eine möglichst vielseitige Ernährung mitzugeben, die mit der auf der Erde vergleichbar ist“, so Prof. Heer. Dazu gehören zum Beispiel Shrimps-Cocktails, Ratatouille, Spargel, Joghurt mit Erdbeeren und vieles mehr. Die verschiedenen kulturellen Hintergründe der Astronauten werden berücksichtigt. Das heißt, es gibt auf der ISS russische, amerikanische und japanische Kost. Auf europäischer Ebene wurden in der Vergangenheit Sterneköche beauftragt, Rezepturen für die Astronauten ihrer jeweiligen Nation zu entwickeln. Essen ist eben mehr als Nahrungsaufnahme – das gilt auch im All.

Abwechslung ist wichtig

Das Gros der Nahrung sind sogenannte Standardmenüs, die 9 Tage variieren und dann von vorn beginnen. Professor Heer erläutert: „Für Abwechslung sorgen die „Preference Food“- und „Bonus Food“-Container, die sich jeder Astronaut aus seinen bevorzugten Weltraumnahrungsmitteln zusammenstellen kann. Erlaubt ist im Prinzip alles, was sich konservieren lässt und mikrobiologisch einwandfrei ist. Mit einer Ausnahme: Alkohol. Der ist selbst in Bratensoße nicht zulässig.“

Ernährungsforschung auf der ISS

Der Aufenthalt im All verlangt den Körpern der Astronauten einiges ab. Schon nach kurzer Zeit beobachten die Wissenschaftler Phänomene, die dem beim menschlichen Alterungsprozess ähnlich sind, wie etwa Muskel- und Knochenabbau, Schwächung des Immunsystems oder zunehmende Glukoseintoleranz.  Der Aufenthalt im All ist für die Forscher wie ein Modell für das menschliche Alter, nur ohne zusätzliche Erkrankungen, die im höheren Lebensalter oft auftreten. Ernährungsmediziner versuchen herauszufinden, wie sich die körperlichen Veränderungen am besten kompensieren lassen. „Welches Trainingsprogramm, welche Ernährung, welche Supplemente können den Prozess verlangsamen? In diesem Bereich könnte die Alterungsforschung noch viel aus den Erfahrungen im All lernen“, meint Professor Heer.

Bild: © LanaSweet, istock