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Abnehmen mit Sport – schwerer als gedacht!

Sport hilft beim Abnehmen, heißt es. Eine internationale Arbeitsgruppe behauptet: Das funktioniert kaum. Besonders bei stark übergewichtigen Menschen regelt der Körper den Grundumsatz stark herunter, wenn sie sich viel bewegen – der Gesamtkalorienverbrauch bleibt überraschend stabil.

Übergewichtigen Menschen wird standardmäßig ein Trainingsprogramm empfohlen, um eine Diät zu unterstützen. Die Idee: Die beim Sport verbrauchten Kalorien sollen den Gesamtumsatz erhöhen und im Idealfall aus den körpereigenen Fettreserven gewonnen werden. Leider lässt sich der tatsächliche Gesamtumsatz aber nicht einfach aus der Summe von Grundumsatz und dem aktiven Verbrauch berechnen, wie die Wissenschaftler:innen festgestellt haben.  

Mehrverbrauch wird ausgeglichen 

Vincent Careau von der University of Ottawa und seine Kolleg:innen analysierten die Daten von 1.750 Männern und Frauen, deren Gesamt- und Ruheumsatz durch Messungen der Atemgase und mittels isotopisch markiertem Wasser bestimmt wurden. Dabei stellten sie fest, dass im Schnitt nur rund 2/3 der beim Sport verbrauchten Kalorien zum Gesamtumsatz beitrugen, der Rest „verschwand“ einfach. Ein Blick auf den Ruheumsatz erklärte das Phänomen: Mit steigender Aktivität wurde der Stoffwechsel in den Ruhephasen stärker heruntergefahren. Diese Effekte traten unabhängig vom Alter und dem Geschlecht der Teilnehmenden auf.  

Fettpolster verstärken den Effekt 

Ausgerechnet bei Menschen mit starkem Übergewicht (Adipositas) war dieser Effekt besonders deutlich messbar. Nur die Hälfte der mühsam beim Training verbrauchten Kalorien schlug im Gesamtumsatz zu Buche. „Es scheint, dass der Stoffwechsel von Menschen mit mehr Körperfett entweder von vornherein den Zusatzverbrauch stärker kompensiert oder aber, dass diese Kompensation stärker wird, je mehr jemand zunimmt“, schreiben Careau und sein Team. Der erste Fall könnte erklären, warum manche Menschen bei gleicher Aktivität stärker zu Übergewicht neigen als andere – und warum es für sie besonders schwer ist, abzunehmen. 

Erwartungen an Abnehmeffekte dämpfen 

Die Legende, dass Sport besonders effektiv beim Abnehmen hilft, ist in der Praxis bereits vielfach widerlegt. Die neue Studie liefert eine Begründung, warum der Lohn sportlicher Anstrengungen nicht zwingend das Wunschgewicht ist. In weiteren Untersuchungen soll nun geklärt werden, ob die Fähigkeit zur Kompensation eine genetische Basis hat. Auch wenn sportliche Aktivität einen kleineren Einfluss auf die Gewichtskontrolle hat, bleiben andere positive Effekte davon unberührt: Herz- und Kreislauf, Knochen, Gelenke, Muskeln – selbst Gehirn und Psyche profitieren von ausreichend Bewegung. Nur wer gezielt abnehmen möchte, muss den Fokus auf eine ausgewogene Ernährung legen, die dem tatsächlichen Kalorienverbrauch angepasst ist.