Kinderwunsch erfüllen - Das ABC der Kinderwunschmedizin

Für viele Paare der größte gemeinsame Traum: ein Baby! Doch leider geht dieser Wunsch nicht bei jedem sofort in Erfüllung. Fast jedes zehnte Paar in Deutschland ist ungewollt kinderlos. Kommt eine Schwangerschaft auf natürlichem Weg nicht zustande, sind Paare für die Erfüllung ihres Kinderwunsches auf medizinische Unterstützung angewiesen. Dank des medizinischen und technischen Fortschritts der „Kinderwunschmedizin“ stehen ungewollt Kinderlosen heutzutage verschiedene Maßnahmen der künstlichen Befruchtung, eine sogenannte „assistierte Reproduktion“, kurz ART, zur Verfügung. Das Feld der modernen Reproduktionsmedizin ist weit und die Behandlungsmöglichkeiten und Begrifflichkeiten klingen für den Laien anfangs verwirrend.
Wir wollen heute ein bisschen Licht in die Begrifflichkeiten der Kinderwunschmedizin bringen.
Wir möchten damit Paaren mit unerfülltem Kinderwunsch erste Informationen geben, die aber natürlich nicht den Weg zur Frauenärztin oder einem Kinderwunschzentrum ersetzen können

Assisted Hatching (Schlüpfhilfe)

Wann? Bei mehreren erfolglosen IVF oder ICSI-Behandlungen sowie bei älteren Frauen.

Wie? Assisted Hatching ist ein neueres Verfahren und wird im Rahmen einer künstlichen Befruchtung optional durchgeführt. Nach den ersten Zellteilungen in der Petrischale (in vitro) wird die Eizelle wieder in die Gebärmutter der Frau eingebracht (Transfer). Nun muss der Embryo aus der äußeren festen Hülle der Eizelle (Zona pellucida) schlüpfen, um sich in der Gebärmutterschleimhaut einzunisten. Damit sich das Embryo leichter „befreien“ kann und um das „Schlüpfen“ zu erleichtern, wird die Zona pellucida (Schutzhülle um die Eihülle) vor dem Transfer mit einem Laser an einer Stelle angeritzt.

Blastozystentransfer

Wann? Nach erfolglosen IVF- oder ICSI- Behandlungen.
Wie? Während bei der IVF (In vitro-Fertilisation) und ICSI (Intracytoplasmatische Spermieninjektion) der Transfer der Embryonen normalerweise am zweiten oder dritten Tag nach der Entnahme und anschließender Befruchtung der Eizellen erfolgt, werden die Embryonen beim sogenannten Blastozystentransfer länger, in der Regel fünf Tage lang kultiviert (Reifung der Embryonen in einer Nährflüssigkeit). Die Embryonen befinden sich dann im sogenannten Blastozysten-Stadium. Durch die längere Kultivierung erhofft man sich eine bessere Auswahl vitaler und einnistungsfähiger Embryonen.

Embryotransfer

Wann? Im Rahmen einer künstlichen Befruchtung (z.B. IVF oder ICSI).
Wie? Als Embryotransfer wird die Übertragung und Einpflanzung von Eizellen, die außerhalb des Körpers befruchtet wurden, bezeichnet. Nach Befruchtung und Kultivierung im Brutschrank kann am zweiten bis fünften Tag nach der Eizellentnahme (Punktion) der eigentliche Transfer der Embryonen erfolgen. Hierzu werden in einer kurzen und schmerzfreien Behandlung maximal drei Embryonen in die Gebärmutter eingesetzt.

Fertilität (Fruchtbarkeit)

Unter Fertilität wird die Fähigkeit der Frau, schwanger zu werden und ein Kind auszutragen verstanden. Bei Männern versteht man unter dem Begriff seine Fähigkeit, Nachkommen zu zeugen. Bei der Frau endet die fruchtbare Zeit mit der Menopause. Für Männer gibt es keinen solchen naturgegebenen Zeugungs-Endpunkt, aber auch bei ihnen lässt die Fruchtbarkeit mit zunehmendem Alter nach. Mikronährstoffe können die weibliche und männliche Fertilität gezielt unterstützen.

Follikelpunktion

Wann? Im Rahmen einer künstlichen Befruchtung (z.B. IVF oder ICSI).
Wie? Für eine künstliche Befruchtung (z.B. IVF oder ICSI) werden die Eizelle und die Spermien außerhalb des Körpers zusammengebracht. Dazu müssen die Eizellen zunächst aus dem Körper der Frau entnommen werden. Hierbei wird nicht der Follikel (Eibläschen) selbst aus dem Körper entnommen, sondern mit Hilfe einer Hohlnadel, die durch die Scheidenwand geführt wird, dessen flüssiger Inhalt abgesaugt. Mit dieser Flüssigkeit werden die Eizellen in speziell angewärmte Röhrchen gespült und können im Anschluss der Punktion für die bevorstehende Befruchtung vorbereitet werden.

Gelbkörperschwäche (Lutealinsuffizienz)

Wann? Wenn sich Embryonen auf Grund einer Gelbkörperschwäche nicht in der Gebärmutter einnisten.
Wie? Eine Gelbkörperschwäche wird bei Frauen mit unerfülltem Kinderwunsch sehr häufig festgestellt. Ein Eisprung findet zwar statt, doch ist die anschließende Lutealphase (zweite Zyklushälfte) zu schwach. Normalerweise wird in der zweiten Zyklushälfte durch starke Produktion des Gelbkörperhormons Progesteron die Gebärmutterschleimhaut optimal auf die Einnistung vorbereitet. Bei der Gelbkörperschwäche ist die Produktion des Gelbkörperhormons unzureichend. Eine befruchtete Eizelle kann sich daher nicht oder nur schlecht in der Gebärmutter einnisten und es kommt häufig zu einem Abgang. Besteht ein Kinderwunsch, wird die Gelbkörperschwäche mit der Gabe von Hormonen behandelt. Dadurch soll die Wahrscheinlichkeit einer Schwangerschaft erhöht und gleichzeitig die Aufrechterhaltung der Schwangerschaft unterstützt werden.

Hormonelle Stimulation

Wann? Wenn ein hormonelles Ungleichgewicht bei der Frau, aber auch,
wenn eine Fruchtbarkeitsstörung beim Mann vorliegt, greift diese Behandlungsform in den Hormonhaushalt der Frau ein.
Wie? Fruchtbarkeitsstörungen haben bei Frauen häufig hormonelle Gründe. Sie betreffen vor allem die Eizellreifung. Je nach Art der Hormonstörung, ihrem Ausmaß und der Phase, in der der Monatszyklus gestört ist, gibt es verschiedene Möglichkeiten einer Hormontherapie. Es kommen verschiedene hormonelle Stimulationsmöglichkeiten infrage: mit Tabletten oder Spritzen, die jedoch meist auch kombiniert werden. Eine hormonelle Stimulation wird unter ärztlicher Kontrolle durchgeführt. Ihr voran geht eine gründliche Diagnostik, um die anschließende Hormonbehandlung optimal auf die individuellen Gegebenheiten abzustimmen.

In vitro-Fertilisation (IVF, künstliche Befruchtung)

Wann? Wenn andere Methoden nicht den gewünschten Erfolg bringen. Zum Beispiel bei verschlossenen Eileitern oder einer starken Einschränkung der männlichen Fruchtbarkeit.

Wie? Bei der IVF findet die Befruchtung nicht im Körper der Frau, sondern im Labor statt. Durch die Gabe von Hormonen wird die Reifung mehrerer Eizellen stimuliert. Die reifen Eizellen werden dann aus dem Eierstock entnommen (Follikelpunktion) und im Labor mit den Spermien zur Befruchtung zusammengebracht. Kommt es zu einer Befruchtung, dürfen maximal drei Embryonen in die Gebärmutter eingesetzt werden.
Alternativen: Bei einer sogenannten Blastozystenkultur werden die Embryonen länger beobachtet – und diejenigen, die sich am erfolgversprechendsten entwickeln, erst nach fünf Tagen eingesetzt.

In vitro-Maturation (IVM)

Wann? Wenn eine Hormonbehandlung nicht erwünscht ist oder die Frau sie nicht verträgt.

Wie? Bei der In vitro-Maturation (IVM) handelt sich um eine Variante der In vitro- Fertilisation (IVF). Der Unterschied zum herkömmlichen IVF-Verfahren ist die Entnahme unreifer statt reifer Eizellen. Für die IVM ist nur eine leichte Hormonstimulation notwendig. Die noch unreifen Eizellen werden aus dem Eierstock entnommen. Sie werden ein bis zwei Tage in der Petrischale kultiviert und dann befruchtet. Im Anschluss reifen die befruchteten Eier für zwei weitere Tage in einer speziellen Nährflüssigkeit, bevor maximal drei der befruchteten Eizellen in die Gebärmutter eingesetzt werden.

Intracytoplasmatische Spermieninjektion (ICSI)

Wann? Wenn die Fertilität des Mannes stark eingeschränkt ist und die Spermien die Eizelle nicht eigenständig befruchten können.
Wie? Beim ICSI Verfahren werden die Eizellen, wie auch beim IVF-Verfahren, nach einer hormonellen Stimulation durch eine Follikelpunktion gewonnen. Im Unterscheid zur IVF wird allerdings jeweils ein Spermium für die Befruchtung mit Hilfe einer dünnen Nadel direkt in die Eizelle injiziert, um die Chancen einer Befruchtung zu erhöhen. Kommt es zu einer Befruchtung, wird der Embryo (bzw. maximal drei Embryonen) in die Gebärmutter der Frau eingesetzt.

Intrauterine Insemination / Insemination (IUI)

Wann? Wenn die Fertilität des Mannes durch zu wenige oder nicht genügend bewegliche Samenzellen leicht eingeschränkt ist, der Zervixschleim der Frau zum Zeitpunkt des Eisprungs so beschaffen ist, dass die Samenzellen ihn entweder nicht durchdringen oder darin nicht überleben können oder das Paar keinen Geschlechtsverkehr haben kann.

Wie? Bei der Intrauterinen Insemination (IUI) werden befruchtungsfähige Samenzellen, die zuvor im Labor aufbereitet wurden (Trennung von Samenzellen und Samenflüssigekeit), mit Hilfe eines dünnen Katheters direkt in die Gebärmutter der Frau übertragen. Auf diese Weise sollen sie die Eizelle schneller und in größerer Menge erreichen als nach dem Geschlechtsverkehr. Vor der Insemination findet bei der Frau meist eine hormonelle Stimulation statt, um die Reifung der Eizelle zu unterstützen.

Intratubarer Gametentransfer (GIFT)

Wann? Bei eingeschränkter Spermienqualität des Mannes, bei erfolgloser Endometriose-Behandlung oder ungeklärter Unfruchtbarkeit der Frau oder, wenn eine vorangegangene Insemination erfolglos blieb.
Wie? Beim Intratubaren Gametentransfer (GIFT) handelt es sich um eine Mischform aus Insemination und In vitro-Fertilisation. Mit einem feinen Katheter werden die Eizellen gleichzeitig mit den Samenzellen in den Eileiter eingeführt, wo nun die Befruchtung stattfinden kann. Diese Methode wird heute weitestgehend vom IVF-Verfahren abgelöst.

Kryokonservierung (Social Freezing)

Wann? Zum Beispiel bei Krebspatientinnen, deren Kinderwunsch durch die Therapie gefährdet ist oder für Frauen, die sich mit ihrem Kinderwunsch noch Zeit lassen wollen.

Wie? Beim Social Freezing werden überschüssige Eizellen bei -196 Grad eingefroren und in flüssigem Stickstoff gelagert. Wenn der Kinderwunsch aktuell wird, können die Eizellen aufgetaut und für die Insemination oder die Befruchtung außerhalb des Körpers vorbereitet werden. Auch Samenzellen können so über längere Zeiträume ohne Beeinträchtigung ihrer Lebensfähigkeit aufbewahrt werden.

Spermiogramm

Wann? Bei unerfülltem Kinderwunsch wird im ersten Schritt die Fruchtbarkeit von beiden Partnern untersucht. Männer können beim Urologen ein Spermiogramm durchführen lassen.
Wie? Ein Spermiogramm dient der Beurteilung der männlichen Fertilität. Es ist das Ergebnis einer Ejakulatanalyse mit dem Ziel, die Beweglichkeit, Anzahl und Form der Spermien zu beurteilen. Da die Spermienqualität schwanken kann, wird empfohlen, die Untersuchung nach zwei bis drei Monaten zu wiederholen.

Testikuläre Spermienextraktion (TESE) / Mikrochirurgische Epididymale Spermienaspiration (MESA)

Wann? Wenn das männliche Ejakulat gar keine Spermien aufweist, etwa weil der Samenleiter blockiert ist, z.B. durch einen Verschluss der Samenleiter.

Wie? Es besteht die Möglichkeit der Samengewinnung aus den Nebenhoden (MESA) oder aus den Hoden (TESE). Mit diesen Methoden können in bis zu 75 Prozent der Fälle Spermien gefunden werden. Die Entnahme aus Hoden- oder Nebenhodengewebe erfolgt im Rahmen eines kleinen chirurgischen Eingriffs. Im Anschluss können die Spermien für die folgende Insemination oder Befruchtung außerhalb des Körpers (z.B. IVF / ICSI) aufbereitet werden.

Zervixschleim

Der Zervixschleim ist eine Flüssigkeit, die von den Drüsen im Gebärmutterhals abgesondert wird. Er schützt die Gebärmutter vor dem Eindringen von Keimen. Die Beschaffenheit des Zervixschleims verändert sich im Laufe des Menstruationszyklus: Während der fruchtbaren Tage verflüssigt er sich, wird klar und „spinnbar“ wie Eiweiß, damit Samenzellen hindurchgelangen können. An den unfruchtbaren Tagen ist er weißlich-trüb, zäh und undurchlässig.
 

Weitere Informationen

Wie Maßnahmen der künstlichen Befruchtung gefördert werden können und wo man nahegelegene Beratungsstellen findet, kann man z.B. beim Informationsportal Kinderwunsch auf der Seite Unterstützung (https://www.informationsportal-kinderwunsch.de/unterstuetzung-foerder-check/) nachlesen. Auf der Seite Material (https://www.informationsportal-kinderwunsch.de/material/) findet ihr Broschüren der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung, die die Behandlungsmöglichkeiten vertieft behandeln.
 

Rechtliche Grundlage

Die Fortpflanzungsmedizin wird in Deutschland durch das Embryonenschutzgesetz geregelt. Daneben haben die Bundesärztekammer sowie der Gemeinsame Bundesausschuss der Ärzte und Krankenkassen Handlungsrichtlinien erlassen. In Deutschland sind die Bestimmungen sehr streng. Verboten sind zum Beispiel die Verwendung fremder Eizellen, die Leihmutterschaft, das Klonen von Embryonen, die Geschlechterauswahl bei Spermien (außer bei schwerwiegenden geschlechtsgebundenen Erbkrankheiten) oder die Verwendung von Samen Verstorbener.

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